Nimm doch die Flüchtlinge bei dir zu Hause auf!» Wenn andere Worte fehlen, beendet dieses Totschlag-Argument jede Diskussion rund um Flüchtlinge. Eigentlich. Doch nicht so in diesem Fall: Bischof Felix Gmür, ein Mahner in der Asyldebatte, der sich diesen Satz zuletzt ausgerechnet von der CVP anhören musste, reagiert souverän.

Er lässt seine Kritiker ins Leere laufen: Warum nicht Flüchtlinge bei uns am Bischofssitz unterbringen?, fragt er simpel. Nur schön reden, ohne zu handeln: Diesen Vorwurf muss sich Gmür nicht mehr anhören. Leise setzt er einen Gegenpunkt in einer Debatte, in der es viele laute Rufer gibt.

Im Kanton gibt es derzeit dank der Anstrengung der Behörden genügend Räume für Asylsuchende und Flüchtlinge. Ob Plätze beim Bischof zwingend nötig sind, ist eine Frage. Trotzdem: Es wäre falsch, Gmürs Ankündigung als Symbolpolitik abzutun. In Rom beweist ein Papst derzeit, wie sehr es mobilisiert, wenn Demut und Nächstenliebe – wenn auch vorwiegend mit Zeichen – gelebt werden. Einer Kirche, deren öffentliches Bild in letzter Zeit vor allem ein erzkonservativer Churer Bischof mit weltfernen Ansichten geprägt hat, schadet es nicht, wenn Gmür in einem aktuellen Thema die Solidarität vorlebt, die er auch von der Politik fordert. Allen, die sich sachlich in der Diskussion eingesetzt haben und nicht aufhetzen liessen, dürfte das Mut geben.

Der Bischof dürfte aber auch wissen, dass er Erwartungen weckt, wenn er mit einer solchen Ankündigung an die Öffentlichkeit tritt. Wenn es jetzt nur bei Worten statt Taten bliebe, würde sich das bitter rächen. lucien.fluri@azmedien.ch