Totalsanierung oder bloss Sicherungsmassnahmen – das ist die Frage, die weiterhin unbeantwortet bleibt. Immerhin: Das kantonale Amt für Umwelt kommt nach langwierigen Untersuchungen zwar zum Schluss, dass eine Totalsanierung zu favorisieren sei. Bis zum Sommer des nächsten Jahres sollen jedoch noch einmal weitere Abklärungen durchgeführt – und erst dann definitiv entschieden –werden.

Wenn in Solothurns Westen bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts nur «gewöhnliche» Siedlungsabfälle deponiert worden wären, dann wäre alles halb so problematisch. Doch auf dem Stadtmist wurden von Firmen der Uhren- und Metallindustrie auch Materialien abgelagert, von denen man am liebsten gar nichts wissen möchte. Doch einmal mehr muss der Mensch die Erfahrung machen, dass aus den Augen nicht aus dem Sinn – und damit nicht ab der Welt ist: Was mit jeder Sekunde des Nichtstuns an allerlei Giftstoffen ins Grundwasser sickert oder via Wassergräben und Drainagenetz den Weg in die Aare findet, ist weder «anmächelig», geschweige denn für Mensch und Umwelt auf die Dauer unproblematisch.

Auf 295 Mio. Franken werden die Kosten einer Totalsanierung geschätzt – «nur» 65 Mio. Franken sollen es sein, wenn bloss Teilsanierungen vorgenommen würden. In Zeiten knapper Finanzen – und das ist im Staate Solothurn letztlich Dauerzustand – dürften etliche Entscheidungsträger zur billigeren Variante neigen. Allerdings: Die zunehmende Sensibilisierung gegenüber Giftstoffen in der Umwelt, neue Erkenntnisse bezüglich der Problematik von hier verscharrten Stoffen und entsprechend schärfere Vorschriften könnten schon bald dazu führen, dass sich Pflästerli-Sanierungen als ungenügend erweisen. Eine in jeder Beziehung kostspielige und bittere Erfahrung, die man in den letzten Jahren auch im aargauischen Kölliken machen musste.

Im Unterschied zu Kölliken liegt im Falle Solothurn mit dem Wasserstadt-Projekt zudem bereits ein attraktives Vorhaben für eine Neunutzung des Gebietes vor und damit ein markanter Mehrwert, der sich auszahlen kann. Voraussetzung ist aber eine nachhaltige Sanierung. Der nun eingeleitete Totalunternehmer-Wettbewerb muss nun die Fakten für den endgültigen Entscheid liefern. Und der muss – wenn «Nachhaltigkeit» nicht bloss ein Schlagwort sein soll – letztlich zu einer Totalsanierung führen.

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