Der angekündigte Sturm auf Roland F. Borers Nationalratssitz wurde an der SVP-Nominationsversammlung zu einem lauen Lüftchen. Der Langzeit-Nationalrat (seit 1991) war nicht einmal anwesend. Und doch ging er als Sieger aus dem Ring. Als sich die nominierten jungen und hoffnungsvollen Kandidaten noch ein Siegeskränzchen fürs Poesiealbum aufsetzten, muss auch ihnen gedämmert haben: Die grosse Chance, in die Kränze zu kommen, liegt – trotz Einkaufstourismus – auch dieses Mal bei Borer.

Offener Streit vor den Wahlen ist in einer Partei selten – und mutig. Denn er nützt der Partei kaum. Dennoch ist den «Rebellen» ein Kränzchen zu winden. Dass gar in der Partei Widerstand aufkommt, liegt nicht (nur) an persönlichen Attacken, wie Borer glaubhaft machen will. Der Widerstand zeigt: Es braucht regelmässig – und trotz aller Verdienste einer Person – einen Wechsel an den Schalthebeln der Macht. Das gehört zur Demokratie. Tritt Borer nicht selbst zurück, droht bei der Solothurner SVP eine ganze – jüngere und fähige – Politikergeneration nicht zum Zug zu kommen. Denn Bisherige sind in der Regel kaum wegzubringen. Ihr Bekanntheits- und Stimmenbonus ist zu gross. So diskutiert mit Borer in Bern für die Solothurner SVP derzeit ein Mann über die Internetüberwachung, der schon dort war, als das Wort Internet kaum jemand kannte und das Smartphone noch Natel C hiess.

Das gleiche Problem hat die SP, die heute nominiert. Bea Heim ist 68 und will nochmals. Doch wetten: Trotz Kritik hinter vorgehaltener Hand wird es heute bei der SP – anders als bei der SVP – wohl keine offene Opposition geben. Denn mit nur noch sechs Sitzen gilt im Solothurner Wahljahr 2015: Machterhalt kommt vor neuem Inhalt.