Kommentar

Hauptsache sonnig

Die Solothurner Altstadt mit dem Prunkstück St.-Ursen-Kathedrale ist nach wie vor ein begehrtes Wohngebiet. (Archivbild)

Die Solothurner Altstadt mit dem Prunkstück St.-Ursen-Kathedrale ist nach wie vor ein begehrtes Wohngebiet. (Archivbild)

Wolfgang Wagmann kommentiert Solothurn als Wohnstadt.

Goldene Dächer sah Carl Spitteler vor gut 100 Jahren in Solothurn. Und wirklich, inzwischen wurde gerade in der Altstadt manches Dach vergoldet. Darunter sonnt sich Solothurn gerne mit Begriffen wie Lebensqualität, Naherholungsgebiet, Kulturangebot oder auch Wohnstadt. Was alles «e plätz witt» stimmt.

Es ist schön, in dieser Stadt zu leben. Deshalb wollten mehr und mehr Leute in den letzten Jahren ins Dunstfeld von St. Ursen ziehen. «Reurbanisierung» nennt sich das, die Wiederentdeckung des städtischen Lebens. Das tatsächlich im Freizeitbereich – der Aareraum ist das Beispiel – enorm an Attraktivität gewonnen hat.

Doch es gab und gibt auch Übertreibungen. In Happy-Town Solothurn schien alles möglich. Phantasiepreise wurden für Altstadtobjekte gezahlt, horrende Mieten verlangt. Pläne für Gross-Projekte wie den Südpark verflüchtigten sich wieder. Und in Randlagen zog die Tristesse ein – hunderte leere Quadratmeter Ladenfläche gleich beim Westbahnhof grüssen seit Jahren. Neue Geschäftsflächen mit Anschluss Westumfahrung bleiben unvermietet, Projekte für neue Firmendomizile an der Westachse sind schubladisiert.

Autofreies Wohnen im «Weitblick» gilt als letzter Schrei, doch die wirklich grossen Vorwärtsbewegungen bleiben bis jetzt Sandkastenspiele. Die Wasserstadt ist noch genau dort, wo sie vor acht Jahren bei der Idee-Präsentation war: nirgends. Gleiches gilt für den seit 2008 geplanten, viel bescheideneren Coop-Center auf dem Kofmehl-Areal. Solothurn hat einige goldene Dächer, aber darunter glänzts nicht überall. Wir sind im Endeffekt, was schon das frühere Patriziat vorgelebt hat: eine Kleinstadt mit grossem Hang zur Selbstbesonnung.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1