Neulich war ich bei einem Freund in Solothurn zum Nachtessen eingeladen. Der Abend wurde nicht all zu lange, ich musste den letzten Bus aus der Weststadt erwischen, um nach Bern zurückzukommen.

Der Bus 6 fährt beim Sonnenpark los. Vorbei am Kino Casablanca, wo ich meinen ersten Horrorfilm im Kino sah und meine Fingernägel in die Polster rammte. Vorbei am «Kofmehl», wo ich meinen 18. Geburtstag an der Wiedereröffnung feierte. Weiter über die Aare, in der ich mich so manche Male habe treiben lassen und die hier um einiges gemütlicher fliesst als im zu gemütlich geschimpften Bern. Vorbei am Musik Melody, in dem ich meine erste E-Gitarre kaufte, auf der ich dann meine ersten Rock-Versuche unternahm. Durch die Vorstadt weiter zum Bahnhof, auf den mir immer noch neu erscheinenden Bahnhofsplatz mit seinen grossstädtischen Busperrons.

Als ich hier wegzog, um in Bern zu studieren, war da noch kein McDonald’s und im Aperto konnte man sich nicht umdrehen, ohne gegen ein Regal zu stossen. Solothurn ist grösser geworden seit meinem Wegzug.

Mir wurde die Stadt aber mit dem eigenen Grösserwerden zu klein. Schliesslich wirkt jeder Ort mit der Zeit vertraut. Den einen ist das recht so, den anderen eben nicht.

Die «Rue du Blamage» hat ihre furchteinflössende Art verloren und ist für mich 27-Jährige um einiges erträglicher als im Teenageralter, in dem man in jedem Schritt einen Fettnapf vermutet und diesen auch einige Male getroffen hat.

Heute sehe ich Bar an Bar und Mittelmeergefühl macht sich breit. Ich kenne keinen Grund, den Landhausquai nicht zu mögen. Wo viele Leute Bier trinken, da bin ich auch gerne Teil davon. Mittlerweile tingle ich auch mal durch Europa für Jobs und stelle fest: Solothurn muss sich im internationalen Vergleich nicht verstecken. Nürnberg zum Beispiel ist zwar eine schöne Stadt, aber die Beizendichte ist bei Weitem nicht so hoch wie hier. Vielleicht habe ich dort die richtige Meile noch nicht entdeckt, in Solothurn aber kann man sie gar nicht verfehlen.

Und: Wer hier aufwächst, wird bei Besuchen immer an den Landhausquai zurückkehren können und jemanden wiedererkennen. All die Freunde, die in der Stadt geblieben sind, scheinen hier ihr Glück gefunden zu haben, kriegen Kinder und kaufen sich Häuser.

Ich wohne in einer WG und kann nicht einmal versprechen, dass meine Pflanzen noch leben, wenn ich wieder etwas länger weg war. Dafür lebe ich vor allem im Heute und von meiner ewigen Liebe zur Musik. Mal besser, mal schlechter, aber immer dran.

Alles zu seiner Zeit. Ich habe gehört, dass es Leute gibt, die wieder nach Solothurn zurückkehren. Bis dahin geniesse ich das stille Heimweh nach der Barockstadt und erzähle, wie toll es ist in Bern zu wohnen.

Wenn ich dann mal zurück bin, kommt am Landhausquai vorbei und grüsst mich. Ich trinke dann auch einen mit euch. Auf die Heimatstadt.

Versprochen.