«S’isch immer e so gsy»: Die Friedhöfe werden im November öfters besucht als während der anderen Monate des Jahres. An Allerheiligen und an Allerseelen gedenken die Katholiken ihrer Verstorbenen, während sich die Reformierten traditionell am Ewigkeitssonntag, dem letzten Sonntag vor dem ersten Adventssonntag, an die Verstorbenen erinnern. Dieses Jahr ist dies am 22. November.

Als Pfarrer bin ich oft auf dem Friedhof in Solothurn. Dort fallen mir immer die grossen Wiesen am Anfang des Friedhofes auf. Sie stimmen mich traurig, weil ich die leeren Flächen als trostlos empfinde.

Sie sind entstanden, weil sich die Bestattungskultur im christlichen Abendland im Wandel befindet. So gibt es die Erdbestattung in der Schweiz nur noch selten, weil die meisten Verstorbenen in Gemeinschaftsgräbern beigesetzt werden.

Oft werden auch die Urnen von den Hinterbliebenen nach der Trauerfeier mitgenommen, um sie an einem besonderen Ort in der Natur beizusetzen oder um die Asche zu verstreuen.

Mein älterer Bruder ist Landschaftsarchitekt in Belgien und hat mich auf eine Idee für die leeren Wiesen auf dem Friedhof in Solothurn gebracht. Er hat mir nämlich von einem Besuch auf einem Friedwald bei Köln in Deutschland erzählt.

In diesem Friedwald werden die Verstorbenen unter einem Baum beigesetzt, den die Hinterbliebenen selbst auslesen können. An manchen Bäumen hängen auch Namensschilder der Verstorbenen. Am meisten beeindruckt aber hat meinen Bruder die Atmosphäre im Friedwald: Trotz aller Trauer spürte er auch Lebensfreude.

Trauerfamilien picknickten unter dem Baum ihres Verstorbenen, wo das Lachen und das Weinen Platz hatten. Wäre ein Friedwald anstelle der leeren Wiesen auf dem Friedhof in Solothurn kein Gewinn?

Mir schwebt noch eine Idee für den Friedhof in Solothurn vor. Im Sommer ist in Solothurn die Hafenbar der Platz, um nach der Arbeit oder dem Sport spontan Menschen zu begegnen. Der Tod macht viele Menschen aber leider einsam, weil sie die wichtigste Bezugsperson im Leben verlieren.

Manche Hinterbliebene gehen darum oft auf den Friedhof, damit sie über die Grenze des Todes hinaus mit ihren Liebsten in Kontakt bleiben. Wäre darum auf dem Friedhof in Solothurn ein Begegnungsort wie die Hafenbar nicht wünschenswert?

Ein Ort, wo sich die Hinterbliebenen, die wir alle sind oder werden, spontan treffen können, um ihre Trauer und ihre Sorgen, aber auch ihre Hoffnungen und ihre Freude mit anderen Menschen zu teilen?

Zusammen weinen und lachen ist noch immer das beste Rezept gegen die Einsamkeit, ganz nach dem Sprichwort «geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude».

*Der Autor ist Pfarrer der reformierten Kirchgemeinde Solothurn