Granges politiques

Grenchen zuerst

Stadt Grenchen von Oben

Stadt Grenchen von Oben

Politiker weisen gerade bei Wahlen gerne auf die Anzahl Arbeitsplätze hin, deren Schaffung sie massgeblich gefördert haben. Als ob die reine Anzahl Arbeitsplätze das absolute Mass für das Wohlergehen der Stadt wäre.

Natürlich ist jeder neue Arbeitsplatz willkommen. Man will Arbeitsplätze und meint damit automatisch mehr Steuerzahler, Hauseigentümer, Mieter, Konsumenten, Vereinsmitglieder, Restaurantgäste, Matchbesucher etc., kurzum Menschen, die zu einer lebendigen Stadt beitragen. Eine von der CVP Grenchen kürzlich durchgeführte Umfrage hat aber aufgezeigt, dass die Förderung von Arbeitsplätzen im Industriesektor vor allem Pendlerströme geschaffen hat. Der Stau auf dem Autobahnzubringer und das Gewimmel an den Bahnhöfen morgens und abends zeigt dies deutlich.

Die Umfrage hat auch ergeben, dass die Wohnqualität von Grenchen durchaus und zu Recht als sehr gut beurteilt wird. Aber der gut verdienende Eigenheimbesitzer ist meistens familiär gebunden und bleibt Pendler. Angezogen durch günstigen Wohnraum lassen sich eher ungebundene Arbeitnehmer im Tieflohnbereich nieder. Der Steuerertrag der natürlichen Personen ist deshalb auch in den letzten 14 Jahren trotz Zunahme der Wohnbevölkerung deutlich gesunken. Die Steuererträge der juristischen Personen in der Industrie sind natürlich hoch erfreulich, allerdings durch die Verwerfungen in der Weltwirtschaft auch sehr schwankend. Und was nützen die Millionen von Steuereinnahmen, wenn ein grosser Teil davon für die «Reparaturwerkstätten» Bildung und Soziales wieder ausgegeben werden muss?

Wünschenswert wäre neben der Industrie eine Durchmischung von mehreren Branchen unter Einbezug von KMU. Durch das Ziehen von Eigengewächsen schafft man hochwertige Arbeitsplätze mit einer stärkeren Bindung zur Stadt. Grenchen gehört zu den TOP-Entwicklungsstandorten der Hauptstadtregion Schweiz. Den Kanton freuts, dass sich Grenchen als Werkbank unter Einsatz von grossen Ressourcen zur Verfügung stellt, was ihn jedoch nicht daran hindert, Ämter in der Stadt zu schliessen und damit die Standortattraktivität schmälert. Man kann sich fragen, ob nicht eher die Wirtschaft des Kantons und die Bedürfnisse der Industrie gefördert, das Wohlergehen Grenchens dabei aber vergessen wurde. Es kann nicht sein, dass die Wirtschaft boomt und gleichzeitig mehren sich die leeren Schaufenster in der Stadt.

Die CVP verlangt deshalb in der agenda2020.ch nebst der Förderung des Technologiestandorts die Förderung der Stadt als Einkaufs-, Gewerbe- und Wohnstandort, weil eine attraktive Stadt mit einer hohen Lebensqualität ein nicht zu unterschätzender Standortvorteil ist. Es sollen die Weichen so gestellt werden, dass in Zukunft Wirtschaftsförderung eben auch Stadtförderung bedeutet. Grenchen zuerst.

* Andreas Kummer, Fraktionschef CVP/GLP, Rechtsanwalt und Notar.

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