Er stellte mit einem Haufen Aufständischer eine Wache beim Bieltor auf, die allerdings nur vier Stunden später von den Regierungstruppen wieder überwältigt wurde. Das Ziel des Staatsstreichs war, sich aus der zentralistischen Bevormundung der Landgebiete durch den Staat Solothurn zu befreien.

Dieser Anlass bestünde heute mehr denn je. Das in der Wirtschaftsblüte vor 40 Jahren erstarkte und selbstbewusst auftretende Grenchen löste damals in Solothurn das Unbehagen aus, dass Stadt und Kanton in Bedeutungslosigkeit versinken würden. Dieses Unbehagen treibt wahrscheinlich noch immer als «Anti-Grenchen-Reflex» sein politisches Unwesen und äussert sich in der sehr stiefmütterlichen Behandlung unserer Stadt durch die kantonale Politik.

Als Gemeinderat versucht man, in Zeiten der knappen Mittel bis an die Schmerzgrenze im Hundertfrankenbereich zu sparen, während die Kantonsverwaltung mit einer Veränderung hinter dem Komma mehrere zehntausend Franken der Stadt an Mehrkosten aufbürdet. Sisyphus könnte auch Gemeinderat gewesen sein.

Geben ist seliger denn Nehmen, heisst es. Für Grenchen scheint das nicht zu gelten. Von Grenchen wurde nur genommen, Spital, Veranlagungsbehörde und Zivilstandsamt sind weg. Unsere Stadt erbringt mit der Polizei und dem Rettungsdienst Leistungen, die eigentlich der Kanton erbringen müsste, der diese aber kaum entschädigt. Die kantonale Pensionskasse liess als Investorin Grenchen bisher links liegen. Und die Pistenanpassung wurde vom Tisch gewischt, bevor man überhaupt umwelt- und bauernverträgliche Lösungen diskutieren durfte. Preisverleihungen zum Beispiel für wirtschaftliche Innovationen finden ausschliesslich in Solothurn statt, obwohl die wirtschaftlich erfolgreichsten Innovationen in Grenchen geschaffen werden. Girard muss von seinen Drehungen im Grab schon ganz schwindlig sein.

Der Kanton Solothurn steckt bei Grenchen knietief in der Schuld und will das nicht wahrhaben. Die kooperative Haltung unserer Stadt gegenüber dem Kanton wird leider nicht erwidert. Ich wünsche mir für unsere Stadt zu Weihnachten die Erkenntnis in Solothurn, dass ein starkes Grenchen dem Kanton viel mehr nützt als ein schwaches, und dass diese Erkenntnis bald in Taten umgesetzt wird. Wir versprechen dafür, vorerst keine Wachen mehr beim Bieltor aufzustellen.

* Andreas Kummer, Fraktionschef CVP, Rechtsanwalt und Notar.