Im globalisierten Wirtschaftsumfeld überlebt nur, wer ein Produkt mit einer gewissen Einzigartigkeit oder mit einem Alleinstellungsmerkmal anbietet. – Die Ökonomen verwenden in diesem Zusammenhang den neudeutschen Ausdruck «USP», für «Unique Selling Proposition». Auch beim Flughafen Grenchen handelt es sich um ein wirtschaftliches Unternehmen: Direkt und indirekt hängen 210 Arbeitsplätze von ihm ab, die jährliche Wertschöpfung beträgt rund 26 Millionen Franken, und der «Flughafencluster» zählt heute 22 Unternehmen. Es ist deshalb nur logisch, dass auch ein Flughafen investieren muss.

Warum eine Pistenanpassung? Erstens: Grenchen ist auf der Landkarte der europäischen Business-Flughäfen bis heute inexistent. Dieses Handicap lässt sich nur beseitigen, wenn die Infrastruktur den internationalen Normen angepasst und die Piste um 450 Meter verlängert wird. Dies hat unter anderem damit zu tun, dass die Luftfahrt höhere Sicherheitsstandards erfüllen muss als noch vor 15 Jahren. So sind im Zuge der Vereinheitlichung der schweizerischen und europäischen Normen die Vorschriften 1999 und 2008 verschärft worden.

Zweitens: Heute sind Geschäftsflüge mit firmeneigenen Maschinen noch möglich, weil «private» Flüge erleichterte Sicherheitsauflagen geniessen. Die laufenden Harmonisierungsbestrebungen haben indes eine Vereinheitlichung der Bestimmungen zum Ziel – die Folge: Die aktuelle Pistenlänge wird mittelfristig auch für private Flüge nicht mehr genügen. Soll der Flughafen Grenchen tatsächlich zu einem bloss lokalen Flugfeld degradiert werden?

Die wirtschaftliche Bedeutung. Namhafte Unternehmer aus der Region nutzen den Flughafen Grenchen regelmässig für Geschäftsflüge ins europäische Ausland. Und die Anbindung an den Luftverkehr wird im nationalen und internationalen Wettbewerb um die Standortgunst von Firmen zunehmend von Bedeutung sein. Wie Erhebungen belegen, ist die Nachfrage nach Geschäftsflügen in der zunehmend globalisierten und hochmobilen Wirtschaft stark steigend – ob man das wahrhaben will oder nicht. So ist es beispielsweise ein offenes Geheimnis, dass die Nähe zum Flughafen ein gewichtiger Pluspunkt beim unlängst erfolgten Standortentscheid eines internationalen Technologiekonzerns war, sich in der Nähe von Grenchen anzusiedeln!

Der Eingriff in Natur und Landschaft ist vertretbar. Die Pistenanpassung stellt zweifellos einen Eingriff in Natur und Landschaft dar – er ist jedoch alles in allem vertretbar: Einerseits ist das Projekt massvoll und dank der Kompensationsmassnahmen umwelt- und landwirtschaftsverträglich. Andererseits ist der Flughafen Grenchen ein einmaliger «USP» für den ganzen Jurasüdfuss. Letztlich geht es um die langfristige Sicherung von hochqualifizierten Arbeitsplätzen – nutzen wir die Chance! Oder wie sagte mir unlängst ein international tätiger Unternehmer aus Solothurn: Die Piste nicht zu verlängern wäre, wie wenn ich nicht mehr in meinen Maschinenpark investieren würde …