Vor zehn Jahren, als die Kulturfabrik Kofmehl am neuen Standort noch eine Baustelle war und halb Solothurn der Eröffnung entgegenfieberte, nistete ich mich im Team des «Rostwürfels» ein. Nun – rund 2000 Anlässe später – beginnt für mich ein neues Abenteuer bei der Good News Productions AG in Zürich.

Damals wie heute faszinierte mich das Herzstück des Kulturdampfers – das 200-köpfige Helferteam. Engagierte junge Macher, die Abend für Abend nach der Arbeit ins Kofmehl pilgern und mithelfen, eine grosse Bandbreite an kulturellen Anlässen auf die Beine zu stellen. Selbst an anlassfreien Abenden tummeln sich im Kofmehl Dutzende kreative Köpfe rum – und bringen das Haus auf Vordermann oder schmieden an neuen Anlass- oder Dekorationsideen.

Neben zahlreichen magischen Konzertabenden werde ich diese Kreativlinge am meisten vermissen. Positive Spinner, die einen Bagger in die Raumbar stellten – zu Dekorationszwecken. Oder alle Gäste mitten in einer laufenden Party zu einer nächtlichen Ausfahrt in einem BSU-Oldtimerbus einluden. Freaks, die eine Party ohne Scheinwerfer veranstalteten – die Besucher waren mit eigenen Taschenlampen für die Lichtshow verantwortlich. Tüftler, die aus einem alten, heruntergekommenen Passfoto-Automaten den Kofmehl-Fotomaten bauten, welcher inzwischen über 200 000 Föteli geschossen hat.

Selbst gegen Probleme war Kreativität oft die beste Medizin. Als die Diskussion um verschiedene Musikstile zu bunt wurde, gab es eine Kopfhörerdisco – die Besucher konnten über verschiedene Kanäle ihren bevorzugten Musikstil selbst wählen. Als das Rauchverbot kam, verteilte die «Raucherpolizei» Kaugummizigaretten – und begleitete die Raucher freundlich nach draussen. Als sich die Besucher weigerten, die zwischenzeitliche Schliesszeit 2:00 Uhr zu akzeptieren, besänftigten und sensibilisierten Kofmehl-Helfer in «Sorry»-Shirts. Und als beim «Silvesterzoo» die passende Band fehlte, wurden «Bonaparte» kurzerhand auf Ebay ersteigert.

Auch für viele Künstler gilt die Kulturfabrik als Hort der Kreativität. Bands wie Patent Ochsner, Züri West, Krokus und Pegasus treten nicht nur regelmässig in Solothurn auf, sie schräubeln im Kofmehl auch an neuen Songideen und proben für anstehende Touren.

Gerade im kulturellen Bereich gibt es in unserer Region einige solcher Plätzchen, an welchen kreative Ideen gedeihen, die auch mal aus dem Rahmen fallen dürfen und für wertvolle Farbtupfer im Alltag sorgen. Ich schätze mich glücklich, ein Jahrzehnt lang Teil eines solchen Horts der Kreativität gewesen zu sein und hoffe, dass sich auch junge Kreativlinge künftiger Generationen in solch spannenden Umfeldern verwirklichen können.

Chrigu Stuber ist bis heute Programmleiter der Kulturfabrik Kofmehl. Am Montag wechselt er zu Good News Productions in Zürich.