Kommentar

Köppel wäre eine Bereicherung fürs Bundeshaus

«Weltwoche"-Verleger Roger Köppel kandidiert für die SVP als Nationalrat. Wenn er gewählt wird, ist er fürs Bundeshaus eine Bereicherung. Er würde sich kaum als Hinterbänkler einordnen. Und vielleicht kann er sogar in Blochers Spuren wandeln.

Roger Köppel will Nationalrat werden. Endlich, ist man angesichts seiner Vita geneigt zu schreiben. Dass es ihn juckt, ahnte man längst. Dass er der SVP politisch nahe steht, ist Allgemeingut. Der «Weltwoche»-Chefredaktor ist seit geraumer Zeit auf politischer Mission. Mit seiner Kandidatur knüpft er an die Zeit der Parteiblätter an, als es für bürgerliche Topjournalisten zum guten Ton gehörte, gleichzeitig Redaktionen zu führen und dem nationalen Parlament anzugehören. Dass sich Chefredaktoren nobler parteipolitischer Zurückhaltung befleissen und sich primär als «der Aufklärung verpflichtete» Journalisten begreifen, ist eine relativ neue Erscheinung. 

Für den schweizerischen Politbetrieb ist Köppels Kandidatur, unabhängig von seiner politischen Einstellung, eine Bereicherung. Es gibt genug graue Mäuse im Bundeshaus, die intellektuell und rhetorisch biederen helvetischen Durchschnitt verkörpern. Es gibt genug angepasste Junge, die wild twittern, aber zahm politisieren. Köppel hingegen ist laut, dreist, schalkhaft, schnell, blitzintelligent, er kann reden und schreiben und wenn nötig hemdsärmelig polemisieren. SVP-Präsident Toni Brunner und Fraktionschef Adrian Amstutz sind im Vergleich geradezu harmlose, weisse Lämmchen. Wenn einer das Format hat, in Christoph Blochers Fussstapfen zu treten, dann Roger Köppel. 

Roger Köppel will für die SVP in den Nationalrat

Roger Köppel will für die SVP in den Nationalrat

Köppel hat beste Chancen, gewählt zu werden. Und dann? Sich in der hinteren Reihe brav einordnen, das ist nicht sein Ding. Er gehört zu jener Sorte Menschen, die sich am eigenen Erfolg berauschen, die sich alles zutrauen. Von seiner Genialität muss man ihn nicht überzeugen. Die SVP sucht, Zufälle gibts, Bundesratskandidaten mit Format. Rar sind die Köpfe, die selbst in deutschen Talkshows bestehen würden. Roger Köppel, jetzt Quereinsteiger, bald Überflieger? Warten wirs ab.

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