Wetten, dass am Sonntag die Stimmbeteiligung beim zweiten Wahlgang zur Regierungsratswahl im Kanton Solothurn unter 30 Prozent fällt? Zudem muss befürchtet werden, dass in der Amtei Dorneck-Thierstein wieder am wenigsten Wählerinnen und Wähler an die Urnen gehen werden. Dabei ist die Wahl vom 23. April entscheidend: Nehmen in der Solothurner Regierung künftig zwei Linke Einsitz? Oder kann Marianne Meister den Sitz der FDP verteidigen? Und wenn ja, schafft Susanne Schaffner dasselbe mit dem SP-Sitz? Die Antworten auf diese Fragen wird die Solothurner Bevölkerung geben. Und dazu gehört nicht zuletzt auch Dorneck-Thierstein.

Tiefste Wahlbeteiligung im Kanton Solothurn

Am 12. März haben sich nur 33,05 Prozent aller Stimmberechtigten in der Amtei Dorneck-Thierstein an der Regierungsratswahl beteiligt. Die tiefste Beteiligung aller Amteien. Warum das so ist? Schwierig zu sagen: Von Politikverdrossenheit bis Wohlstandsphänomen wurden alle bekannten Argumente aufgeführt. Es fehlte zudem eine nationale Abstimmung, welche die Wahlbeteiligung in die Höhe getrieben hätte. Doch solche Ausreden dürfen in einer Demokratie, wie sie die Schweiz lebt, nicht gelten.

 Es darf nicht sein, dass sich nur gerade ein Drittel der stimmberechtigen Bevölkerung für eine Wahl interessiert. Denn, wer nicht wählt, gibt sein Mitspracherecht willentlich ab. Auch wenn dies als politisches Statement getarnt wird. Etwa mit: «Die in Solothurn machen eh, was sie wollen. Darum gehe ich nicht wählen.» Das Totschlagargument schlechthin: Damit wird jede politische Diskussion im Nu verhindert. Und weiter: «Das Beispiel zur Masseneinwanderungsinitiative zeigt doch, dass die Politik den Volkswillen nicht umsetzt.» Das kann man so sehen, wenn man denn möchte. Daraus zu schliessen, dass es sich nicht lohnt, zu einer Wahl zu gehen, ist nicht nachvollziehbar.

Zweimal links oder noch
stärker bürgerlich?

Vor allem, weil die Entscheidungen in Solothurn einen direkten Einfluss auf das Leben in den Gemeinden hat. Etwa bei den Steuern: Steigen die Kantonssteuern an, steigen die Gemeindesteuern automatisch an. Darauf kann neben dem Kantonsrat auch der Regierungsrat Einfluss nehmen.

Klar, Dorneck-Thierstein ist weit weg von der Kantonshauptstadt Solothurn. Und ja, mit Remo Ankli hält bereits einer die Fahne des Schwarzbubenlands in der Regierung hoch. Doch das darf nicht heissen, dass man sich nicht mehr an der Wahl beteiligt. Denn die Regierung ist nicht für die Regionsvertretung zuständig. Ob mit Susanne Schaffner und Brigit Wyss zwei Linke in die Regierung gewählt werden, oder die bürgerliche Phalanx durch Marianne Meister gestärkt wird: Das macht einen Unterschied. Auch in Beinwil, Büsserach, Dornach oder im Solothurnischen Leimental. Denn falls Wyss und Schaffner gewählt werden, braucht die Linke im Regierungsrat nur noch eine zusätzliche Stimme, um eine Mehrheit zu bilden. Sollte jedoch Meister gewählt werden, wirds für die Linke ungemein schwerer, gewisse Anliegen durchzubringen.

Die Wahl am 23. April wird knapp ausfallen

Im ersten Wahlgang haben sich die Schwarzbuben für Marianne Meister entschieden. Sie holte mit 3130 Stimmen hinter den drei bisherigen am meisten Stimmen. Dahinter Brigit Wyss mit 2946 und Susanne Schaffner mit 2802 Stimmen. In der Amtei folgten die Stimmberechtigten also dem Status quo. Das ist eine Aussage. Doch diese Aussage nützt nichts, wenn sie nicht noch mal gemacht wird.

Dorneck-Thierstein ist zwar die zweitkleinste Amtei im Kanton. Trotzdem leben hier fast 14 Prozent aller Stimmberechtigten. Das ist mehr als das sprichwörtliche Zünglein an der Waage. Und es sieht danach aus, dass es am Sonntag knapp werden wird. Da lohnt es sich, wenn sich in Gemeinden wie Bättwil und Grindel mehr Stimmberechtigte an die Urne bemühen würden. In den beiden Dörfern machten am 12. März nicht einmal ein Viertel von ihrem Wahlrecht Gebrauch.

Denn aller Nähe zu Basel-Stadt oder Baselland zum Trotz: In Solothurn werden die gewichtigen Entscheide für die Amtei Dorneck-Thierstein getroffen. Darum müssen sich alle Bewohner des Kantons an der Urne äussern. Und dazu gehört nicht zuletzt auch Dorneck-Thierstein.