Gross, laut, reich und arrogant. Kein Wunder, ist Zürich nicht Everybody’s Darling. Und weil das so ist, feuert man aus allen Winkeln des Landes in Spott und Hohn getränkte Pfeile Richtung Limmatstadt, wenn sich die Möglichkeit bietet. Im Moment liefern gerade die Zürcher Sportklubs Futter für Polemik. Die ZSC Lions verpassen als Meister die Playoffs, die Fussballer von GC befinden sich einmal mehr in existenziellen Nöten. Ausserdem: Die Eishockeyaner aus der Agglo in Kloten sind mit ihrem Vorhaben, in die höchste Liga zurückzukehren, grandios gescheitert. Und der FCZ hat in diesem Jahr nur eines von sieben Spielen gewonnen – gegen GC. Nur: Das Hohngelächter aus allen Landesteilen wird in Zürich kaum gehört.

Darin liegt die Krux. In Bern, in Basel oder auch in St. Gallen und Luzern sind die lokalen Sportklubs eine fixe Grösse des gesellschaftlichen Lebens. Wenn dort der Trainer entlassen wird, der Abstieg droht oder der Pleitegeier über dem Stadion kreist, diskutiert die Stadt darüber. In Zürich? Da gibt es Wichtigeres. Nur: Warum gelingt es Zürich nicht, über den Sport einen Zusammenhalt zu zelebrieren? Einerseits, weil die Stadt gesellschaftlich tolerant ist, sich nicht über Lokalpatriotismus definiert. Andererseits hat Zürich allein seines Status wegen als grösste und wichtigste Stadt des Landes gar keinen ernstzunehmenden Gegenspieler als identitätsstiftende Klammer. Das ist bedauerlich für den Zürcher Sport. Denn keine andere Stadt in der Schweiz kann diese Dichte an Sportklubs mit nationaler Strahlkraft aufweisen. Deshalb ist man geneigt zu sagen: Die Zürcher Klubs verdienten eine andere Stadt.

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