Die Zeichen sind untrüglich. Wenn die Confiserie des Vertrauens plötzlich einen altrosa Band um die Pralinen-Schachtel wickelt und der Blumenladen um die Ecke ankündigt, ausnahmsweise auch am Sonntag geöffnet zu haben: Ja dann ist die Woche des Muttertags. Zu dessen Ritualen gehört auch, dass im Kindergarten fleissig gebastelt wird. Für die Mütter.

Natürlich habe ich mich am Sonntag auch über das Geschenk meines Sohnes gefreut. Fast noch mehr über seine Vorfreude. Natürlich konnte er sie kaum verbergen, die Überraschung hat er vorgängig angekündigt und mir dabei das Versprechen abgeluchst, dass ich das versteckte Geschenk nicht suchen werde. Was ich natürlich nicht getan habe. Und was mir auch nicht schwerfiel.

Denn der Muttertag ist mir ziemlich egal. Ich finde ihn aus der Zeit gefallen, er ist allzu sehr Ausdruck einer klassischen Rollenaufteilung. Der Mann, der Ernährer, der Auswärts das Geld verdient. Die Mutter zu Hause verantwortlich für Kinder und Haushalt. Weil im Alltag die Wertschätzung für diese Arbeit fehlt, können Männer mit Pralinen und Blumen am Muttertag das schlechte Gewissen etwas kompensieren.

In der heutigen Gesellschaft sind diese Rollen in vielen Familien längst mich sehr so klar aufgeteilt. Zum Glück vermischen sie sich. Kinderarbeit ist nicht nur Frauenarbeit. Und deshalb ist es für mich ein Rätsel, weshalb im Kindergarten die Tradition des Muttertages derart hochgehalten wird.

Auch Väter haben Anerkennung verdient. Man muss den Muttertag ja nicht ersatzlos streichen. Das fände der Detailhandel wohl nicht so lustig. Aber man könnte ihn problemlos ersetzen: Durch einen Elterntag. Mein Sohn hätte seinem Vater gerne auch einen Schlüsselanhänger geschenkt.