Wahlen in Österreich

Wasser auf die Mühlen der FPÖ

Der neue österreichische Bundespräsident: Alexander Van der Bellen.

Der neue österreichische Bundespräsident: Alexander Van der Bellen.

Die blauen Bäume wachsen also doch nicht in den Himmel. Österreich stellte sich mit der Kür des ersten grünen Staatsoberhauptes gegen den Trend: Nach Brexit und Trump kann Europa erleichtert das fast nicht mehr für möglich gehaltene Scheitern eines Rechtspopulisten beklatschen und das noch dazu in der in dieser Hinsicht als besonders anfällig geltenden Alpenrepublik. So gross die nach aussen gezeigte Enttäuschung der FPÖ in diesem Moment auch wirklich sein mag, so sehr muss vor überschwänglicher Freude darüber gewarnt werden. Sie könnte sich nämlich als verfrüht erweisen. Denn eigentlich konnte Heinz-Christian Strache aus dessen Perspektive am Wahlsonntag nichts Besseres passieren als die Niederlage seines Stellvertreters an der Parteispitze. Von dem Grünen in der Hofburg lässt sich wunderbar – wie im Wahlkampf geschehen – ein krypto-kommunistisches Feindbild zeichnen. Auch der alte Opfermythos einer von bösen Mächten ausgegrenzten Partei, mit dem die FPÖ seit Jahrzehnten hausieren geht, lässt sich viel besser pflegen, wenn man selbst nicht das höchste Amt im Staate besetzt, in dem auf Norbert Hofer so manches Fettnäpfchen gewartet hätte.

Straches Ziel war immer der Ballhausplatz, aber nicht die Hofburg, sondern das gegenüberliegende Kanzleramt. Spätestens im Herbst 2018 wird in der nächsten Nationalratswahl die eigentliche Richtungsentscheidung fallen. Und da schaut es für die FPÖ nicht schlechter aus als vor Norbert Hofers Niederlage. Eher sogar besser, wenn die grosse Koalition so weiterwurstelt wie bisher.

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