Das Wahljahr neigt sich seinem Ende zu. Wie immer ist das eine Gelegenheit, Überlegungen anzustellen, und oft lohnt es sich, das Wesentliche zwischen den Zeilen zu suchen. Es gibt glücklich Gewählte, allenfalls auch unglückliche und solche, die ihre Nicht- oder gar Abwahl weder verdient noch erwartet haben. Die Politik war und ist immer eine launische Zeitgenossin. Der Erfolg stellt sich ein oder auch nicht, und müssig ist es, lange darüber nachzudenken, zu spekulieren oder die Schuldigen zu finden. Diese werden sowieso meist am falschen Ort vermutet. Selbst die Zusicherung, man werde alles tun, um der Kandidatin X oder dem Kandidaten Y zur verdienten Wahl zu verhelfen, sind ab und zu nicht einmal das Papier wert, auf dem sie stehen.

Zu danken ist allen, die bereit sind oder es waren, sich für den Dienst an der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Mehr noch, das Milizsystem hat allen Unkenrufen zum Trotz seine Bewährungsprobe erneut bestanden. All jene, die voraussagten, es werde Gemeinden geben, die ihre Gemeinderäte nicht mehr vollständig würden bestellen können, sind Lügen gestraft worden. Natürlich ist der Andrang zur gemeinderätlichen Futterkrippe nicht so gross wie einst. Der Dienst am Gemeinwesen wird nicht mehr der Ehre zugerechnet, sondern in erster Linie der schieren Notwendigkeit oder der Einsicht, dass es schliesslich «jemand machen müsse». Vielleicht ist mein Eindruck falsch, aber es scheint mir, vielerorts sei es sogar etwas leichter gefallen als auch schon, die entsprechenden Leute zu finden.

Dennoch erlaube ich mir einige kritische Bemerkungen. Da sind einmal die stillen Wahlen. Auch ich sehe den pragmatischem Ansatz dahinter, zumal dann, wenn die Kandidierenden nicht gleich Schlange stehen und man diese nicht noch der demokratischen Willkür aussetzen will. Persönlich hätte ich mir solches nie gewünscht – auch dann nicht, wenn das Erreichen des absoluten Mehrs in der Regel kein Problem ist. Die Urnenwahl gibt den Stimmberechtigten immerhin Gelegenheit, sich zu äussern und den Kandidierenden möglicherweise einen Fingerzeig zu geben, wie sie von aussen gesehen und wahrgenommen werden. Natürlich sind die, die in der Volksgunst an der Spitze liegen, nicht immer jene, die die beste Arbeit leisten. Schon manche haben erfahren müssen, dass das mutige Anpacken unangenehmer Probleme nicht zum Gewinn an zusätzlicher Popularität beiträgt. Trotzdem ist den Wahlen an der Urne der Vorzug zu geben. Nicht nur der demokratischen Mitwirkungsrechte wegen, sondern auch weil die Zahl jener, die auch kritische Arbeit zu würdigen wissen, in der Regel grösser ist als die Zahl jener, welche nur die Kandidaten unterstützen, von denen sie persönlich am meisten erwarten. Dazu kommt der Neidfaktor. Wer erfolgreich ist, hat auch mit Neidern zu rechnen. In unserem Dorf pflegte man früher zu sagen, es seien nicht die schlechtesten Früchte, an denen die Wespen nagen.

Wie dem auch sei: Das heurige Wahljahr hat einmal mehr gezeigt, wo die Probleme liegen, wenn es nicht gelingen will, Gemeinderäte, Kommissionen und andere Ämter mit fähigen Leuten zu besetzen. Vorerst gilt es – zu meinem Leidwesen – Abschied zu nehmen von herkömmlichen Parteistrukturen. Es ist selbstverständlich eine andere Frage, ob dies gut oder schlecht ist. Es ist einmal so und das will noch lange nicht heissen, dass die politischen Parteien überflüssig geworden sind. Im Gegenteil, es wäre heute nötiger denn je, sich zu einer politischen Richtung zu bekennen und sich dafür einzusetzen. Allerdings braucht es einen Lernprozess, der auch beispielsweise vor den nationalen Parteispitzen nicht haltmachen darf. Nach den Wahlen zu verkünden, nun werde ein nationaler bürgerlicher Schulterschluss umgesetzt, um sich dann bei wichtigen politischen Fragen in den Haaren zu liegen, wirkt nicht besonders einladend auf jene, die man in den kommenden Jahren gerne zur Mitarbeit einladen würde.

Auch die Versuche, ehemaligen Regierungsmitgliedern auf nationaler oder kantonaler Ebene ein faktisches Rede- und Meinungsverbot aufzuerlegen, wirkt reichlich gesucht und ist kaum geeignet, die Rede- und Diskussionskultur zu fördern, so wie es in den meisten Parteiprogrammen nachzulesen ist. Ich für mich bleibe Optimist und guten Mutes. Für mich hat das Wahljahr nebst anderen einige positive Aspekte zutage gefördert.Dazu gehört die Bereitschaft auch einiger junger Leute, sich für unser Gemeinwesen einzusetzen.