Die Haare stehen ab, ein schwarzer Träger blitzt unter der Bluse hervor. Die Bluse wölbt sich an komischer Stelle. Zupf, zupf. Den Kopf leicht abdrehen, in die Kamera blicken. Das Kinn nicht zu hoch, aber auch nicht zu tief. Die Stirn nach vorne. Nicht zu böse gucken, aber auch nicht zu lieb. Nicht lachen. Locker wirken, an etwas Schönes denken. Die Gesichtsmuskeln entspannen.

Die Fotografin meint es gut mit mir. Sie will das Beste aus mir herausholen, während ich mir überlege, ob das ein Schweiss- tropfen ist, der mir den Rücken herunterrinnt. Ich starre in dieses schwarze Loch vor mir. Ich erinnere mich an frühere, ähnliche Situationen. An ein Bild von mir, bei dem der Fotograf mich nicht darauf hingewiesen hat, dass mir ein Teil des Mittagessens zwischen den Zähnen klebt. Ich habe es – oh Wunder! – später auf dem Foto gesehen und still über ihn geflucht.

Aber ich sollte an etwas Schönes denken. Ich schüttle mich kurz, mach mich locker. Der Träger blitzt wieder unter der Bluse hervor. Zupf, zupf. Den Kopf leicht abdrehen, in die Kamera blicken. Klick, klick, klick. Ein Blick auf den Bildschirm. Ich sehe verkrampft aus. Noch einmal. Kinn nicht zu weit nach unten. Klick, klick, klick. Ein brauchbares Foto wird wohl dabei sein. Ein neues wird es frühestens geben, wenn die Haut faltig und die Haare grau sind.

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