Kommentar

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Die sensiblen Entwicklungs-Prozesse eines Embryos geschehen meist im Verborgenen.

Die sensiblen Entwicklungs-Prozesse eines Embryos geschehen meist im Verborgenen.

Medikamente, welche Frauen in der Schwangerschaft zu sich nehmen, sind zu wenig erforscht. Ein Kommentar.

Schwangere haben die Beipackzettel zu Medikamenten schnell gelesen: Meist wird für Schwangerschaft und Stillzeit von der Einnahme abgeraten oder es heisst, es seien keine Nebenwirkungen bekannt, aber auch nicht erforscht worden. Dass in den vergangenen 15 Jahren Ärzte dennoch Schwangeren ein Epilepsiemedikament mit dem Wirkstoff Valproat verschrieben, ist auf den ersten Blick schwer zu verstehen.

Die Ärzte haben die Eltern zu wenig informiert – und waren wohl auch selbst zu wenig über die Risiken informiert. Bei Medikamenten in der Schwangerschaft kommt das leider häufig vor, denn die Wirkmechanismen aufs Ungeborene sind selten genau erforscht. Risikoreich, komplex, teuer, zeitaufwendig – diese Begründungen dürften alle keine Argumente sein. Die bessere Erforschung von Medikamenten in der Schwangerschaft ist dringend notwendig, das zeigen nicht nur die Fälle der durch Valproat im Mutterleib gehirngeschädigten Kindern.

Autismus ist eine möglichen Folge des Valproat-Syndroms. Also jene Diagnose, die heute immer häufiger gestellt und über deren Ursachen noch gerätselt wird. Dass ein Medikament während der Schwangerschaft diese Entwicklungsstörung verursachen kann, sollte wach rütteln. Beeinträchtigungen, welche ein Mensch im Mutterleib erleidet, haben lebenslängliche Folgen – da wirken ein paar Sätze zum Thema Schwangerschaft auf dem Beipackzettel grotesk.

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