Gestern konnte er bei seiner Rede zur Lage der EU zum ersten Mal eine positive Agenda präsentieren und sagen, was er mit dem Rest seiner Amtszeit noch anstellen will.

Es bleiben rund 1,5 Jahre. Danach entscheiden die Historiker, ob Juncker nur als jener Kommissions-Chef in die Geschichtsbücher eingeht, unter dem Grossbritannien verloren ging – oder ob er es doch noch schaffte, der EU seinen Stempel aufzudrücken.

Das versucht er über die Vollendung der Wirtschafts- und Währungsunion. Er weiss, der Euro als Gemeinschaftswährung kann nur mit einer gemeinsamen Politik funktionieren. Dafür ist ein paneuropäischer Finanz- und Wirtschaftsminister ebenso wichtig wie eine europaweite Angleichung von Sozialstandards. Die Ergänzung der Wirtschafts- und Währungsunion um ein soziales Standbein ist deshalb ein Herzensanliegen Junckers. Die Bewältigung der Flüchtlingskrise und das Brexit-Tauziehen gehören daneben schon fast zum Tagesgeschäft.

Was Juncker mit der Schweiz vorhat, blieb gestern unerwähnt. Möglicherweise ist die Antwort: nicht viel. Das institutionelle Rahmenabkommen ist in Brüssel sicher nicht jenes Dossier mit der höchsten Prioritätsstufe. Insofern könnte es Juncker einfach seinem Nachfolger überlassen. Nach dem Brexit verfügt dieser sicher auch über mehr Spielraum.