Kommentar

Trumps heikles Spiel mit der Notenbank

Donald Trump im Oval Office des Weissen Hauses: Der US-Präsident führt einen Kleinkrieg gegen die amerikanische Notenbank.

Donald Trump im Oval Office des Weissen Hauses: Der US-Präsident führt einen Kleinkrieg gegen die amerikanische Notenbank.

Auch wenn die amerikanische Notenbank in der Theorie politisch unabhängig ist, sehen sich die Währungshüter in der Praxis immer wieder politischen Druckversuchen ausgesetzt. Der Fed-Historiker Gary Richardson spricht in diesem Zusammenhang von einem Konflikt zwischen den kurzfristigen Plänen der Volksvertreter, die wiedergewählt werden wollen, und den langfristigen Überlegungen der Notenbanker.

Gemeinhin finden solche Druckversuche aber hinter verschlossenen Türen statt, und die breite Öffentlichkeit erfährt davon, wenn überhaupt, erst viel später. Trump verstösst auch gegen diese Konvention. Er wettert vor laufenden Kameras gegen Fed-Chef Jerome «Jay» Powell, weil er Angst hat, die Notenbank würge den Aufschwung ab.

Diese Angst ist nicht unberechtigt, hält doch die Expansion der US-Konjunktur bereits eine Dekade an – eine Rezession rückt deshalb rasch näher. Trump tut sich mit seiner Kampagne gegen die Fed aber keinen Gefallen. Er untergräbt die Unabhängigkeit der Notenbank. Und er schafft Verunsicherung an der Börse, die zwar kein perfekter Indikator über den Zustand der Volkswirtschaft ist, deren Kursschwankungen aber stark beachtet werden. Trump wäre deshalb besser beraten, in der Öffentlichkeit zu schweigen. Und auf die Kraft seiner Argumente zu setzen.

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