Die Chancen stehen schlecht, dass die Schweizer Justiz zu einem sauberen Verfahrensabschluss kommt. Sind die vorliegenden Informationen korrekt, ist selbst der Bundesanwaltschaft unklar, wozu die Organisatoren der Fussballweltmeisterschaft 2006 letztlich Millionen hin- und hergeschoben haben. Dennoch hat sie Anklage gegen Exponenten des «deutschen Sommermärchens» erhoben.

Es wird wohl auch dem Bundesstrafgericht nicht gelingen, Klarheit zu schaffen. Ein Freispruch würde deshalb nicht überraschen, sofern das Verfahren nicht ohnehin wegen Verjährung eingestellt werden muss.

Und doch. Es ist richtig, dass die Bundesanwaltschaft Anklage erhebt. Dass mit Franz Beckenbauer die zentrale Person der Transaktionen nicht auf der Anklagebank sitzen wird, ist zwar unschön. Die Alternative, das Handtuch zu werfen und das Verfahren einzustellen, wäre aber noch hässlicher.

Strafprozesse haben zwar als erste Pflicht, über Recht und Unrecht zu befinden und Übeltäter zu bestrafen. Sie haben aber auch die staatspolitische Aufgabe, über das Gelingen und Versagen der Strafverfolgungsbehörde zu wachen. Mit der Anklageschrift erhält das Bundesstrafgericht dazu die Gelegenheit.

Den Angeschuldigten würde es deshalb gut anstehen, sich in einer gewissen Demut vor dem Gericht zu mässigen, statt sich lauthals und abfällig über das Verfahren zu beklagen.