Kommentar

Schon mal war eine Tankstellen-Eröffnung historisch: Damals war es Benzin, heute ist es der Wasserstoff

Ein Brennstoffzellen-Fahrzeug wird mit Wasserstoff betankt.

Ein Brennstoffzellen-Fahrzeug wird mit Wasserstoff betankt.

Als Bertha Benz 1888 in einer Apotheke in Wiesloch Benzin für die weltweit erste Autofahrt einkaufte, mass man dieser «Eröffnung» der ersten Tankstelle der Welt noch nicht diese historische Bedeutung zu, die sie mit dem weltweiten Siegeszug des Autos bekam. Ob auch die Eröffnung der ersten Wasserstoff-Tankstelle in St.Gallen zum geschichtsträchtigen Moment wird, wie ihn Solarflug-Pionier Bertrand Piccard sieht, lässt sich nicht sagen. Ausgeschlossen ist es nicht, weil diese Tankstelle der Anfang eines Wasserstoff-Mobilitätsnetzes ist.

Eine Investition in eine neue Technologie ist ein hohes Risiko. Leicht können Millionen in den Sand gesetzt werden, wenn sich daraus kein Geschäftsmodell erzeugen lässt. Nun haben private Investoren den Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur in die Hand genommen, ohne den ein Wechsel auf eine neue Mobilität gar nicht möglich ist. Logisch ist, dass unter den vielen beteiligten Unternehmen auch eine Erdöl-Firma ist. Denn über kurz oder lang führt kein Weg daran vorbei, auf fossile Energieträger zu verzichten. Für die Wende eignet sich Wasserstoff, der, gebunden in Wasser, in unerschöpflichen Mengen vorhanden ist. Er ist ein exzellenter Energiespeicher, umweltverträglich und vielseitig verwendbar. Aus dem Stoff lassen sich neben Strom, auch Methan und flüssige Treibstoffe produzieren, welche das Problem der Speicherung erneuerbarer Energie lösen.

Allerdings wird global betrachtet Wasserstoff heute meistens nicht klimaneutral produziert, sondern aus Kohle oder Erdöl hergestellt. Die Schweizer Hydrogen-Förderer haben sich nun verpflichtet, nur grünen Wasserstoff anzubieten, der aus erneuerbarer Energie produziert wird. Der Schweizer Wasserstoff wird in erster Linie in die Tanks von Brennstoffzellen-Lastwagen gepumpt, die den Tankstellen einen gesicherten Absatz garantieren. Mit dem Ausbau der Infrastruktur wird es auch möglich, eine Personenwagen-Flotte aufzubauen. Wasserstoff-Fahrzeuge sollten nicht als Konkurrenz zu Batteriebetriebenen E-Autos gesehen werden, sondern als Ergänzung. H2-Autos haben ihre Vorteile in der schnellen Betankung und der grossen Reichweite. Wenn die Verfügbarkeit des Wasserstoffs wächst, könnte sich diese Mobilität bald einmal nicht nur für Nutzfahrzeuge lohnen.

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