Kommentar

Raus aus der EU, rein in die Rezession

Tommaso Manzin
Die britische Notenbank senkt erstmals nach sieben Jahren den Leitzins.  (Archiv)

Die britische Notenbank senkt erstmals nach sieben Jahren den Leitzins. (Archiv)

Nachdem die Briten am 23. Juni entschieden haben, mit ihrer Insel politisch weiter weg vom europäischen Festland zu driften, muss ihre Notenbank geldpolitisch zurückrudern: Am Donnerstag senkte sie erstmals seit 2009 die Leitzinsen.

Im Königreich, das noch kein Ex-EU-Land ist, aber bereits eine Art Ex-Beziehung mit dem Kontinent zu führen scheint, wird nämlich eine Rezession erwartet. Insbesondere das Finanzzentrum London dürfte Geschäfte an Paris und Frankfurt verlieren. Die Notenbank versucht nun, die Konjunktur zu stützen. Mit tiefen Zinsen für billige Kredite, damit Private konsumieren und Unternehmen investieren – wenn nötig auf Pump.

Auch wenn die Senkung für die Schweiz – abgesehen von der leichten Frankenstärkung – kaum direkte Auswirkungen hat: Mit dem Austritt aus der EU ist Britannien jener Staatengemeinschaft beigetreten, für die Zinserhöhungen in weiter Ferne liegen. Dies, nachdem es als jenes Land galt, in dem sich die Geldpolitik nach den USA als nächste normalisieren sollte.

Das ist vorbei. Das Pfund gehört neu zu den Währungen, die sich von der in den USA eingeleiteten Zinswende verabschiedet haben: Japan, die Eurozone und die Schweiz, wo die Notenbank jede Lockerung der Euro-Geldpolitik «autonom» nachvollzieht, damit der Franken nicht noch attraktiver wird. Dass ein wichtiger Währungsraum fast 10 Jahre nach Ausbruch der globalen Finanzkrise zurückfällt in den Krisenmodus rekordtiefer Zinsen, ist kein gutes Zeichen, gerade für die Schweiz. Denn die Eurozone dürfte nun um der Exporte willen ihre Währung eher noch länger zu verbilligen suchen.

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