Mit Polo Hofer ist ein Pionier verstummt. In den 1970ern zählte er als Sänger von Rumpelstilz zu den Wegbereitern des Berner Rocks. Der Interlakner gab der Gegenbewegung, den Hippies, ein Gesicht. Und er gab ihr Songs, die ein Lebensgefühl vermittelten, in einer Sprache, die jeder verstand: Mundart. Im Wissen, dass er damit eine ganze Generation unterhalten konnte.

Polos Leben in Bildern:

So kombinierte Polo Hofer Pioniergeist mit Kalkül. Früh realisierte er, wie er mit nonkonformem Verhalten Aufsehen erregen konnte: Er lieferte Plädoyers fürs Kiffen («Vogelfuetter»), sang im ersten Schweizer Reggaesong («Teddybär») über Kamasutra und unterstützte die Liberalisierung des Radiomarktes («Radio 24»). Hofer, ein 68er, rüttelte die konservative Schweiz auf. Er hatte Bob Dylan studiert und für die Schweiz adaptiert. So machte er sich stark für eine offene Gesellschaft und war bald mehr als nur Sänger; eine identitätsstiftende Figur, ein Sprachrohr.

Mit zunehmendem Erfolg erkannte man auch seine bürgerliche Seite: Er sah sich als KMU, der Mitmusikern ein Einkommen gab, war Chef, Bandleader – blieb aber in seinen Sprüchen Klassenclown. Nahbar und aufmüpfig, diese Kombination machte ihn zum Phänomen: «Polo National» hiess man ihn. Weil er lange Zeit der erfolgreichste Rockstar war, der mit Refrains wie «Alperose» Evergreens landete. Und weil er mit seinen Sprüchen alle unterhielt: die Konzertbesucher im Festzelt wie auch die Fernsehzuschauer von Talkrunden. Er war ein Hofnarr und Charakterkopf, ein Troubadour und Pionier. Vor allem aber war er eines: einzigartig.

Alperose - Polo Hofer

Alperose - Polo Hofer