Bäume machen es uns vor: Sie holen Kohlendioxid (CO2) aus der Luft und lagern es in ihren Stämmen, Ästen und Blättern ein. Allerdings nur, bis wir den Baum fällen und das Holz verbrennen. Um das Klimaproblem zu lindern, müssten wir dauerhafte Speicher für das Klimagas finden. Deshalb untersuchen Forscher in einem Stollen im Jura, ob sich CO2 im Untergrund speichern liesse – unter einer Schicht von Opalinuston, jenem Material, das unseren Atommüll aufnehmen soll.

Nachdem wir während eines Vierteljahr- tausends Technologien entwickelt haben, welche CO2 in die Luft liessen, soll uns nun also eine neue Technologie vor den Problemen retten, die wir uns eingebrockt haben.

In anderen Ländern wird bereits CO2 aus der Gasförderung ins Gestein gepresst, ohne dass klar ist, wie lange es dort bleibt. In der Schweiz aber sind wir von einer CO2-Speicherung im Untergrund weit entfernt. Der Stollen im Jura ist interessant für die Forschung, jedoch nicht für die tatsächliche Lagerung geeignet – die Gesteinsschichten liegen schräg, sodass das Gas ihnen entlang an die Oberfläche gelangen würde. Es gibt noch nicht mal ein Projekt für ein CO2-Tiefenlager in der Schweiz.

Vieles spricht gegen ein CO2-Reservoir in der Schweiz

Ob hierzulande je ein solches Reservoir zustande kommt, ist höchst unsicher. Einiges spricht dagegen. Zum Beispiel gibt es in der Schweiz nur sehr wenige grosse, konzentrierte CO2-Quellen – dazu gehören zum Beispiel Zementfabriken –, bei denen sich das Klimagas effizient herausfiltern liesse. Schwierig wäre es auch, einen Standort für ein Lager zu finden. CO2 ist unsichtbar und in hohen Konzentrationen tödlich für den Menschen – das macht Angst, auch wenn ein Katastrophenszenario äusserst unwahrscheinlich ist. In Deutschland haben Proteste aus der Bevölkerung bereits Projekte verhindert. Und hinzu kommen eben all die Fragen zur technischen Machbarkeit, die derzeit im Felslabor Mont Terri im Kanton Jura untersucht werden.

Ist es unter diesen Umständen überhaupt sinnvoll, diese Technologie zu erforschen? Längerfristig kann der Klimawandel nur gestoppt werden, wenn wir komplett auf fossile Brennstoffe verzichten, womit sich die Frage nach der Speicherung erledigt. Doch der Meeresspiegel steigt bereits. Hurrikane werden stärker. Dürren, Waldbrände und Überschwemmungen häufen sich. Am stärksten betroffen sind ärmere Länder, doch auch die Schweiz spürt bereits die Folgen, wenn in Tourismusregionen die Winter kürzer werden und wenn Klimaflüchtlinge hier neue Lebensgrundlagen suchen.

Öl- und Gaskonzerne treiben die Technologie voran

Es zeigt sich immer deutlicher: Wir kommen zu langsam voran mit der Reduktion der Emissionen. Auf Kurs kommen können wir nur mittels Notfallmassnahmen – und eine solche wäre es, Kohlendioxid aus der Luft zu filtern und im Boden zu speichern. Entscheidend ist, wie das finanziert wird. Auf keinen Fall dürfen Gelder aus der Forschung zur Energieeffizienz abgezogen werden. Doch die bisherigen technologischen Entwicklungen zur CO2-Speicherung kamen nicht aus der grünen Ecke. Im Gegenteil, es sind die Ölkonzerne, welche die Technologie vorantreiben. Denn einerseits können sie aus Ölfeldern mehr Ertrag hinauspressen, indem sie Kohlendioxid in den Boden injizieren. Und andererseits können sie in Ländern wie Norwegen Steuern sparen, wenn sie das bei der Gasförderung anfallende Kohlendioxid im Untergrund versenken. Es sind also Petrodollars, mit denen diese Technologie vorangetrieben wird.

Doch welche Rolle soll die Schweiz dabei spielen? Weder wird hier Öl oder Gas gefördert, noch scheint das dicht besiedelte Land geeignet für ein CO2-Tiefenlager. Doch die Schweiz ist mit Institutionen wie der ETH in Zürich und Lausanne stark in technologischer Forschung. Damit kann sie zu den Lösungen beitragen, auch wenn hierzulande kein Reservoir zustande kommt.

Den Klimawandel stoppen kann die CO2-Speicherung nicht. Aber im besten Fall verschafft sie uns etwas Luft für das Umsetzen anderer Lösungen. Die Probleme sind zu dringend, um diese Technologie zum jetzigen Zeitpunkt prinzipiell auszuschliessen.