Alle Parteien wollen den Eigenmietwert abschaffen, also das fiktive Einkommen auf selbst genutzten Liegenschaften. Euphorie ist aber fehl am Platz. Es handelt sich lediglich um einen Grundsatzentscheid. Und grundsätzlich finden den Eigenmietwert viele schlecht. Erstens setzt er falsche Anreize: Die Verschuldung wird gefördert, weil die Hypothekarzinsen steuerlich abzugsfähig sind. Zweitens bringt der Eigenmietwert sparsame Rentner in Bedrängnis, die für das Alter vorgesorgt und ihre Hypothek längst abgezahlt haben. Sie können keine Schuldzinsen mehr abziehen, müssen aber ein fiktives Einkommen versteuern.

Seit den 80er-Jahren debattiert die Schweiz deshalb regelmässig über einen Systemwechsel bei der Besteuerung von Wohneigentum. Bislang ohne Erfolg. Denn schafft man den Eigenmietwert ab, müssen konsequenterweise alle Steuerabzüge wegfallen. Ansonsten werden Mieter noch weiter benachteiligt (das ist denn auch der Grund für den Eigenmietwert). Doch der Widerstand gegen die Abschaffung von Steuerabzügen ist gross. Für junge Familien würde der Erwerb von Wohneigentum schwieriger. Abzüge für den Unterhalt erfreuen das Gewerbe. Und für die Energiewende muss man doch energetische Sanierungen fördern. Der Zufall will es, dass der Bundesrat gerade gestern die Verordnung für steuerliche Abzugsmöglichkeiten für Liegenschaftsbesitzer in die Vernehmlassung geschickt hat.

So sinnvoll ein Systemwechsel auch ist, es wird Verlierer geben. Ob die Einigkeit der Parteien über den Grundsatzentscheid hinaus anhält, darf bezweifelt werden.