Die wichtigste Reform von Emmanuel Macron liegt endlich vor. Sie lockert das Kündigungsrecht und die Branchenabkommen. Das soll der französischen Wirtschaft Sauerstoff vermitteln und indirekt Jobs schaffen. Der Ansatz ist zweifellos richtig: Frankreich muss unbedingt wettbewerbsfähiger werden, um sein Krebsübel der Massenarbeitslosig-keit zu bekämpfen und den Wirtschaftsmotor wieder anzuwerfen. Insofern ist die Reform auch eine gute Nachricht für ganz Europa.

Nach jetzigem Stand dürfte Macron seine Reform gegen den Widerstand der Strasse durchbringen. Die Opposition ist gespalten; von den Grossgewerkschaften ruft nur die militante CGT, von den Parteien nur der Linke Jean-Luc Mélenchon zu Protesttagen auf. Doch der Staatspräsident ist in den Umfragen geschwächt, seine Legitimität bereits angegriffen. Der Kampf ist noch nicht gewonnen.

Die Franzosen scheinen selber gespalten: Gewiss wird das französische Arbeitsrecht flexibler – doch wird es auch sicherer? Wenn das Kündigen einfacher wird, muss auch die Aus- und Fortbildung verbessert werden, damit Minderqualifizierte nicht aus dem Arbeitsmarkt fallen. Frankreich will und muss namentlich die Berufslehre ausbauen.

Macron verspricht das seit langem. Die Umsetzung wird aber schwierig in einem Land, in dem die Berufslehre, ja Arbeiten generell als minderwertig gilt. Erst wenn diese Mentalität geändert hat, ist die am Donnerstag präsentierte Arbeitsmarktreform vollständig, abgeschlossen – und gerecht.