Und dann vermasselte ihm auch noch die Novartis seinen Rücktritt. 2150 Stellen will der Pharmakonzern in der Schweiz abbauen – und vermeldet das am Tag, an dem der Wirtschaftsminister seine Absicht bekannt gibt. Johann Schneider-Ammann, der sich seit seinem Amtsantritt dem Kampf gegen die Deindustrialisierung verschrieben hat. Er hat für die Industrie gekämpft, als der Franken ins Bodenlose stürzte, ohne der Versuchung von interventionistischen Massnahmen zu erliegen. Er ist um die ganze Welt gereist, um Freihandelsabkommen abzuschliessen.

Gestern sagte er: «Die Arbeitslosigkeit ist tief, die Konjunkturprognosen mussten sogar gegen oben korrigiert werden, die Wirtschaft brummt.» Dass er massgeblich  dazu beigetragen hat, steht ausser Frage. Wie unverdient, dass nun eine der grössten Entlassungswellen der Exportindustrie auf seinen Rücktritt fällt.

Für Schneider-Ammann sind die Entlassungen ein Zeichen, wie fragil die Situation des Wirtschaftsstandorts ist. Dass sich der ständige Einsatz für Arbeitsplätze also rechtfertigt. Diese Aufgabe legt er nun in andere Hände – mit etwas Wehmut zwar. So spricht er von Freihandelsabkommen, die er gerne noch abschliessen wollte, mit den USA zum Beispiel. Doch freut er sich darauf, mit seiner Frau zu verreisen und mit seinen Enkeln Eisenbahn zu spielen.

Trotz angriffigen politischen Gegnern und kritischen Medien ist ihm der Humor geblieben. «Es geht mir gut – und ich bin wach», sagte er gestern, um Gerüchte über seinen Gesundheitszustand zu zerstreuen. Er sei manchmal müde. «Aber ich weiss auch weshalb.» Trotz den Witzen über sein Arbeitspensum war ihm anzusehen, dass die letzten Monate Spuren hinterlassen hatten. Er sei heute weniger naiv als noch vor seiner Wahl in den Bundesrat: Er sei misstrauisch geworden. Denn dass ein Wort ein Wort sei und auch gehalten werde, darauf könne man in der Politik nicht setzen. In der Wirtschaft hingegen schon.

Er geht also, wie er gekommen ist: als Patron. Und als solcher gibt er seiner Partei noch einen Tipp auf den Weg: Es würde der FDP gut anstehen, eine Frau als Nachfolgerin aufzustellen. Nach dreissigjähriger Vakanz ist die Frauenfrage so gut wie unbestritten. Trotzdem werden bis im Dezember Planspiele gewälzt. Und falls Doris Leuthard wie erwartet auch noch diese Woche zurücktritt, eröffnen sich für immer neue Kandidaten Chancen auf eine Kandidatur. Dabei wäre der Affentanz unnötig.

Die FDP hat eine Frau, die ihre Qualitäten mehrfach bewiesen hat. Eine, die will und die es auch kann. Karin Keller-Sutter deckt zudem die geografischen Anforderungen ab. Obwohl die Freisinnigen bei Bundesratswahlen jeweils eine Auswahl fordern, sollten sie die Ostschweizerin als Einzige aufstellen. Denn wer sollte ihr gefährlich werden? Kaum ein Mann will sich zur Verfügung stellen, um neben ihr verheizt zu werden. Frauen gäbe es zwar noch andere mit  Format. Doch die St. Gallerin ist breit vernetzt, hat  Regierungserfahrung und vor allem auch bewiesen, dass sie Kompromisse über die Parteigrenzen  hinaus schmieden kann. Die Alibi-Übungen, die nun auf uns zukommen, könnten wir uns getrost sparen. 

Die aussichtsreichsten Bundesratskandidaten von der FDP: