Kommentar

Michael Lauber kämpft um seinen Ruf - doch er sollte sein Amt zur Verfügung stellen

Tiefer Fall eines Hoffnungsträgers: Bundesanwalt Michael Lauber.

Tiefer Fall eines Hoffnungsträgers: Bundesanwalt Michael Lauber.

Michael Lauber, durch die Infantino-Treffen angeschlagener Bundesanwalt, setzt in seiner Verteidigungsstrategie auf Öffentlichkeit. Im Mai trat er vor die Medien und beklagte sich bitterlich über die Behandlung, die ihm durch seine Aufsichtsbehörde und ihren Präsidenten Hanspeter Uster zuteilwerde. Der Mann, der 2012 angetreten war, die Institution Bundesanwaltschaft zu retten, griff heftig und öffentlich die Institution an, die ihn beaufsichtigt.

Jetzt attackiert Lauber im Verteidigungskampf um die eigene Haut auch das Bundesstrafgericht. Durch seine öffentlich gemachte Beschwerde gegen Bundesstrafrichter Giorgio Bomio zieht er auch diese Institution in den Strudel der Affäre um die Infantino-Treffen hinein.

Es ist Laubers Recht, sich zur Wehr zu setzen. Wenn er das aber mit öffentlichem Brimborium tut, schadet er nicht nur seinem eigenen Ruf, sondern auch den Institutionen, um die es ihm angeblich geht.

Zudem: Lauber und niemand anderes ist es, der den ganzen Schlamassel ausgelöst und die Bundesanwaltschaft in ein schiefes Licht gerückt hat – durch seine teilweise sorglose Amtsführung, durch nicht protokollierte oder «vergessene Treffen» mit Parteivertretern wie Infantino.

Wenn Lauber seinen Kampf in eigener Sache fortsetzen will, bei dem die Institutionen Schaden nehmen – dann sollte er konsequenterweise sein Amt zur Verfügung stellen und sich mit aller Kraft auf seine Verteidigung konzentrieren. Dann kann er öffentlich sagen, was er will.

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