Eine Mutter, die ihre beiden Kinder tötet und danach im Gefängnis Suizid begeht, lässt niemanden kalt. Es sind Einzeltragödien wie die Kindstötung in Flaach, die grosse Emotionen schüren. Diese schlagen rasch um in Empörung gegen die neue Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb). Nun hat der Bundesrat erste Erfahrungen mit dem seit vier Jahren bestehenden Gesetz ausgewertet. Das ist begrüssenwert, denn nur Fakten helfen, die emotional geführte Debatte zu versachlichen.

Der Bericht zeigt zweierlei: Erstens ist eine professionelle Behörde am besten geeignet, die Interessen Schutzbedürftiger zu wahren. Die Kesb macht einen guten Job. Angebliche «Kesb-Opfer» mit Verdingkindern aus den Dreissigerjahren zu vergleichen, ist pure Scharfmacherei und wird der Realität nicht gerecht. Zugleich erkennt der Bericht Verbesserungspotenzial: So soll die Kesb nahe Verwandte noch besser in ihre Entscheide einbeziehen – eine Lehre, die unter anderem aus der Flaacher Kindstötung gezogen wurde. Damals brachte die Kesb die Kinder in einem Heim unter, obschon sich die Grosseltern zuvor bereit erklärt hatten, die Betreuung zu übernehmen. Der Bundesrat beweist, dass es ihm ernst ist, die Fachbehörde weiterzuentwickeln.

Das grosse Risiko aber besteht darin, dass es die Gegner mit ihrer Fundamentalkritik den Behörden erschweren, ihre ureigene Aufgabe überhaupt wahrzunehmen: die Interessen der Schutzbedürftigen zu wahren. Denn Fachleute, die eingeschüchtert werden und sich kaum mehr trauen, öffentlich als Kesb-Mitarbeiter in Erscheinung zu treten, werden in ihrer Freiheit und Unabhängigkeit beschnitten, die richtigen Entscheide zu fällen. So gesehen könnte sich das Kesseltreiben gegen die Kesb als kontraproduktiv herausstellen. Denn Fehler können katastrophale Folgen haben und letztlich zu Tragödien führen. Und die will nun wirklich niemand.