Bundesanwalt Michael Lauber steckt in der Klemme. Nachdem bekannt worden war, dass die Aufsichtsbehörde ein Disziplinarverfahren gegen ihn einleitet, hätte die Pressekonferenz des Bundesanwalts zum Befreiungsschlag werden können. Doch sie wurde es nicht. Oder höchstens teilweise.

Laubers Auftritt zeigte zwar, mit wie viel Engagement und Leidenschaft er seinen Job macht, mit wie viel Kampfgeist und Herzblut er die Institution Bundesanwaltschaft schützen will – vor aus seiner Sicht ungerechtfertigten Angriffen. Doch die wichtigste Frage bleibt weiter unbeantwortet.

Wie kann es sein, dass sich Lauber in einem derart zentralen Dossier wie dem Fifa-Fall an ein Treffen mit einem der wichtigsten Player wie Gianni Infantino, Präsident des Weltfussballverbands, nicht erinnern kann? Nachdem Lauber vor einem halben Jahr öffentlich erklärt hatte, es habe nur zwei Treffen mit Infantino gegeben, gab es wohl kein Zurück mehr. Die Vermutung liegt nahe, dass die «Erinnerungslücke» eine allzu billige und durchsichtige Verteidigungsstrategie ist.

Dass sämtliche Beteiligte dieses ominöse dritte Treffen abstritten, bis Gegenbeweise auf dem Tisch lagen, spricht für sich. Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, man muss auch keinen bösen Willen haben, um zu fragen, wie das sein kann. Ein solches kollektives Vergessen mag in der Theorie möglich sein, glaubwürdig ist es nicht.

Selbst verschuldet in einer Sackgasse

Lauber macht es sich nun sehr einfach, wenn er die Kritik als «absurd» und «heraufbeschworene institutionelle Krise» beschreibt. Es geht um viel mehr. Lauber hat sich im Fifa-Dossier selbst verschuldet in eine Sackgasse manövriert.

Dass die ehemaligen hochrangigen Fussball-Funktionäre Sepp Blatter und Theo Zwanziger, gegen die die Bundesanwaltschaft ermittelt, nun Ausstandsbegehren einreichen, mag sich letztlich als juristisches Geplänkel herausstellen. Dass allein schon der Vorwurf weiter im Raum steht, Lauber könnte in seinem prestigeträchtigsten Fall befangen sein, wiegt jedoch schwer.

Es liegt nun am Parlament, das demnächst über die Wiederwahl entscheidet, zu beurteilen, was es höher gewichtet: Laubers durchaus ansehnliche Bilanz in seinen sieben Jahren als Bundesanwalt oder seine kaum nachvollziehbaren Manöver im Fifa-Fall. Die Antwort dürfte vielen nicht einfach fallen.