SBB

Hohe Preise, hohe Erwartungen

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Nach aufsehenerregenden Pannen auf dem SBB-Netz ist eine Debatte über die Pünktlichkeit der Bundesbahnen entstanden. Die SBB dementieren, ein Problem zu haben. Der Chef des Bundesamts für Verkehr kritisiert den Bundesbetrieb und spricht ein Machtwort.

Wer regelmässig mit den SBB unterwegs ist, stellte in den vergangenen drei Wochen eine Häufung von Verspätungen und Störungen fest. Ist die Schweiz daran, den Nimbus des verlässlichsten Bahnlandes der Welt zu verlieren? Verlässlich ist die Reaktion der SBB auf diesen Verdacht: Die subjektive Wahrnehmung sei das eine, die objektive Statistik das andere. Und diese belege, so die SBB, dass 90 Prozent der Passagiere pünktlich ankämen.

Mag sein. Aber erstens hilft es dem Kunden, der gerade den Anschlusszug verpasst hat, herzlich wenig, wenn er weiss, dass er ein statistischer Ausreisser sein soll. Zweitens zeigen jetzt neue Auswertungen, dass die SBB auf einzelnen Strecken auch statistisch unschweizerisch unpünktlich sind: In der Ostschweiz kommen auf gewissen Linien 40 Prozent der Züge verspätet an, zwischen Basel und Zürich 28 Prozent.

Womöglich sind also doch nicht überkritische Bahnfahrer und Medien das Problem. Es liegt bei den SBB. Aber wo? Das Unternehmen ist im Umbruch. Reorganisation folgt auf Reorganisation; in einer Firma, wo jedes Zahnrädchen ineinanderpassen muss, führt das schnell zu Überforderung. Hinzu kommt die Digitalisierung, die den Bahnbetrieb effizienter macht, aber auch eine häufige Ursache für Störungen ist.

Es stimmt, wir jammern auf hohem Niveau. Nur: Die Steuerzahler lassen sich die Bahn Milliarden kosten, und die Kunden zahlen immer höhere Billett- und Abotarife. Hohe Preise – hohe Erwartungen!

patrik.mueller@chmedia.ch

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