Kommentar

Historischer BIP-Einbruch: Warnungen muss man ernst nehmen

Niklaus Vontobel, Wirtschaftsredaktor

Niklaus Vontobel, Wirtschaftsredaktor

«So, wie es jetzt ist, kann unsere Branche nicht funktionieren.» Diese drastischen Worte schickte letzte Woche der Verband Gastrosuisse in Richtung des Schweizer Bundesrates. Am Donnerstag hingegen gab das Staats­sekretariat für Wirtschaft teilweise Entwarnung nach einem historischen Wirtschaftseinbruch: «Der Tiefpunkt ist überwunden.»

Und nun, wie weiter in der Politik? Inmitten der Krise hat sie mit Macht reagiert: Kurzarbeit massiv ausgebaut, Coronakredite rasch an die Unternehmen gebracht. Nun gibt es die Hoffnung, dass man die Wirtschaft wieder sich selber überlassen kann. Der Einzelne weiss besser, wie er sich durch die Krise wurstelt, als die sprichwörtlichen «da oben in Bern».

Doch nur auf marktwirtschaftliche Selbstheilungskräfte zu vertrauen, wäre Ideologie. Auf das Beste hoffen darf man immer. Zugleich sollte man die Warnungen ernst nehmen. Der Bund muss genau hinschauen, wo es Chancen hat, Dinge zum Besseren zu wenden. Der Schweiz fehlt es nicht an staatlichen Investitionen. An privatwirtschaftlichen Investitionen hingegen mangelte es. Vorschläge von namhaften Ökonomen, wie sich private Investitionen fördern lassen, sind prüfenswert. Zumal ähnliche Forderungen auch von Spitzenvertretern der Banken kommen.

Wenn Bundesräte in der Krise gerne das «Wir» beschworen haben, sollten sie sich auch dann daran erinnern, wenn der Tiefpunkt überwunden ist.

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