Nobelpreis

Friedensnobelpreis für Atomwaffengegner: Ein Schritt zu wenig

Beatrice Fihn und ihre Mitstreiter machen sich für eine Welt ohne Atomwaffen stark. Dafür wurde ihr Netzwerk Ican am Freitag mit dem Friedensnobelpreis geehrt. In Zeiten von Donald Trump und Kim Jong Un auf das Thema Atomwaffen zu setzen, ist ein richtiger Entscheid des Komitees. Doch die Jury hätte noch einen Schritt weiter gehen können.

Auch wenn die Utopie einer atomwaffenfreien Welt heute erstrebenswerter denn je erscheint, bleibt sie doch genau das: eine Utopie. Und die Welt steht vor drängenderen Problemen. Trump schickt sich gerade an, den Atomdeal mit dem Iran abzusägen. Das unter Barack Obama geschlossene Abkommen ist hier und heute, in der realen Welt, ein wirklicher Beitrag zum Frieden. Gleiches gilt für die Bemühungen, den Deal über Trumps Präsidentschaft hinweg zu retten. Mit dem iranischen Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif und der Aussenbeauftragten der Europäischen Union, Federica Mogherini, standen zwei Protagonisten des Iran-Deals sogar auf der Liste der aussichtsreichsten Kandidaten. Doch die Jury hat sich anders entschieden.

Das Nobelpreis-Komitee ist keine politische Institution. Aber als eine um den Frieden bemühte Einrichtung muss es sich fragen, ob es schlau ist, in diesen Tagen ausgerechnet einem aussichtslosen Vorhaben den Rücken zu stärken. Wenn sich das Komitee in Oslo schon des Themas der nuklearen Proliferation annimmt, dann hätte es besser jemanden geehrt, der einen wirklichen Beitrag zum Frieden geleistet hat – oder auf dem Weg dorthin gerade jetzt jede Unterstützung braucht, die er bekommen kann.

fabian.hock@schweizamwochenende.ch

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