Kinderwunsch

Familienplanung

Reeto von Gunten: «Es gibt Wedding-Planner und Bestattungs-Institute, Paar-Therapien und Scheidungs-Anwälte, aber es gibt niemanden, der einem beim Planen der Familie professionell zur Seite steht.» (Symbolbild)

Reeto von Gunten: «Es gibt Wedding-Planner und Bestattungs-Institute, Paar-Therapien und Scheidungs-Anwälte, aber es gibt niemanden, der einem beim Planen der Familie professionell zur Seite steht.» (Symbolbild)

In seiner Kolumne schreibt Autor und Künstler Reeto von Gunten über die Dinge, die man beim Kinderhaben nicht vorausahnen kann.

Kinder bringen viel mit sich, was man nicht einbezieht in die Familienplanung. Klar, das mit dem schnüsigen Babybettlein, in dem man selber schon geschlafen habe, dem aus regionalem Anbau gefertigten Holzspielzeug, dem Nuggi aus Naturkautschuk und den wirklich umwerfend niedlichen Turnschühchen hat man alles kommen sehen.

Man hat es für prima befunden und entsprechend vorausbesorgt. Dass Babys dann aber lieber mit glitzrigem Plastikplunder spielen als mit Holzrasseln aus dem Museumsshop, jedweden Naturkautschuk reflexartig ausspucken und zum im Bettchen Liegen dann eben doch keine Turnschühchen benötigen, findet man irgendwann gezwungenermassen selber raus.

Aber bald einmal kommen einem planungsmässig Dinge in die Quere, die dann doch wirklich richtig unbedingt notwendig sind und die man aber unmöglich voraussehen konnte. Nicht zuletzt, weil es einem nie jemand gesagt hat. Es gibt Wedding-Planner und Bestattungs-Institute, Paar-Therapien und Scheidungs-Anwälte, aber es gibt niemanden, der einem beim Planen der Familie professionell zur Seite steht.

Niemand warnt vor Plastikautos und teuren Baby-Autositzen

Kein Mensch – ausser den eigenen Eltern, auf die man nicht mehr hören weil alles besser machen will – warnt einen vor Bobby Cars, zum Beispiel. Diese adipösen Formel-1-Ferraris aus rotem Plastik, die Schürfwunden, Tränen und durchgewetzte Schuhe nach sich schleifen und mitten in der Nacht im strömenden Regen reingeholt werden müssen, weil kein Mensch sie gleichzeitig mit einem heulenden Kind ins Haus bringen kann (ab CHF 50).

Oder vor zentnerschweren Wimmelbuchsammlungen mit lausig gezeichneten (Ali Mitgutsch ist die Ausnahme) Non-Ereignissen auf Karton-Doppelseiten, die stundenlang gemeinsam mit dem hochinteressierten Nachwuchs angeschaut werden müssen, bis sie sich unwiderruflich ins eigene Längstzeitgedächtnis einbrennen (CHF 75/kg).

Der Velo-Staffel vom LIKEaBIKE (CHF 289) über das Stützrad- (CHF 198) und Kinder-Velo (CHF 299) bis zum mittelschultauglichen Jump-Bike (CHF 699), die nach dem Herauswachsen die Waschküche verstellen, weil man weiss ja nie, vielleicht kann man das ja mal noch jemandem – oder vielleicht wollen es die Kinder später wieder, für ihre eigenen.

Die Zahnversicherung (rechnet sich, falls eine Spange notwenig wird und das wird sie). Der von der Safety-Abteilung der Nasa entwickelte Baby-Autositz in der Preisklasse eines Eames-Sessels oder das Original Fussballshirt, das jede Saison wechselt.

Von all dem haben wir nie erfahren vorher. Oder wir wollten es halt vielleicht einfach nicht hören.

Und dann kommt irgendwann der Wunsch nach etwas Lebendigem

Und dann, wenn alles einigermassen läuft, einigermassen und man sich als Eltern damit abgefunden hat, dass halbjährlich neue Badesachen, Winterjacken und Schuhe angeschafft werden müssen, dann, irgendwann, kommt der Wunsch nach einem Lebewesen. Und ich meine damit nicht ein kleines Schwesterchen oder sonst was, womit man hätte rechnen können, nein, ich meine Ratten. Oder Schlangen. Oder beides.

Meerschweinchen, zwei dieser süüüssen flauschigen Häschen, aus denen böse Menschen Mäntel machen, egal, Hauptsache Tier. Spektakulär, gefährlich oder umwerfend jöö – je nach Veranlagung des entsprechenden Kindes, aber: TIER. Bitte! Jetzt! Irgendwann will jedes Kind etwas, das auch ständig etwas will. Futter oder kacken.

Und ja, die Ablenkungsmanöver Zoobesuch und Goldfisch funktionieren, aber bloss ein paar Tage lang und dann muss etwas Rechtes her, ein Baby-Löwe, bitte. Jetzt! (Heulkrämpfe vor jedem Einschlafen, wenns sein muss, monatelang.) Man könnte darob verzweifeln. Ausser, man kennt die Lösung: Kaufen Sie Ihren Kindern eine Kuh. Oder wenigstens ein paar Hühner.

Etwas, das so unniedlich, laut und platzverschwendend ist, dass es die Kinder möglichst bald wieder loswerden wollen und Sie es gewinnbringend verscherbeln können. Und falls dies nicht klappen sollte, können Sie immerhin so viel Milch und Eier verkaufen, dass der ganze Rest wenigstens ein klein wenig erträglicher wird, familienplanungsmässig.

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