Es war ein Kraftakt. In monatelanger Arbeit gelang den Schweizer Hochschulen, was Pessimisten nicht für möglich gehalten hatten: Die Universitäten stellten einen fast ebenbürtigen Ersatz für das Studentenaustauschprogramm Erasmus bereit. Dafür mussten sie mit jeder einzelnen europäischen Partneruniversität ein bilaterales Abkommen aushandeln.

Es waren Hunderte Verträge. Nötig wurde der Verhandlungsmarathon nach Annahme der Masseneinwanderungsinitiative 2014 und dem damit einhergehenden Ausschluss der Schweizer Studenten.

Das Ersatzprogramm zeigt eindrücklich, wie anpassungsfähig die Schweiz auch unter widrigen Umständen ist. Gleichzeitig ist es ein Verhandlungspfand, gerade jetzt, da die EU deutlich mehr Geld für die Wiederaufnahme ins Programm verlangt.

Kein Wunder, hat Erasmus für den Bundesrat keine Priorität. Geld sparen mit einer fast ebenbürtigen Mobilität? Da könnte man sich zufrieden die Hände reiben, ob der eigenen Leistung und der behaltenen Millionen.

Doch darum geht es nicht. Nicht nur, dass das Ersatzprogramm bis heute einen hohen Mehraufwand für die Universitäten bedeutet, auch haben einige der beliebtesten Universitäten Europas trotz aller Bemühungen kein neues Abkommen mit der Schweiz unterzeichnet. Sie waren froh, die hiesigen Anfragen los zu sein, denn Interessenten haben sie genug.

Zu den Nicht-Unterzeichnern gehören ausgerechnet einige der schönsten Städte der Welt: Paris, London oder Madrid. Sie sind bei allem Wohlwollen nicht durch Rennes, Birmingham oder Málaga zu ersetzten. Wir sollten uns also nicht zufrieden die Hände reiben, sondern versuchen, mit einem guten Deal ins Erasmusprogramm zurückzukehren.

Schon der französische Gelehrte Montaigne schrieb: «Reisen sind deshalb so wertvoll, weil sie uns lehren, unser Gehirn am Fremden zu reiben» – das sei das beste Bildungsmittel.