Wer alleine auf die Wahlen im Herbst blickt, kann den Schwenk der FDP in der Klima- und Energiepolitik vielleicht nur schwer nachvollziehen: Die Partei, die in den letzten Jahren in zahlreichen Kantonen bei den Wahlen gewann, riskiert, auf der Zielgeraden unnötig Wähler zu verlieren. Das zeigte zuletzt auch das Wahlbarometer: Die FDP würde laut aktuellster Umfrage minim verlieren.

Trotzdem ist die Kurskorrektur richtig, ja geradezu unausweichlich. Die Schweiz ist nicht nur wegen schmelzender Gletscher und auftauenden Permafrosts direkt vom Klimawandel betroffen. Migration und Naturkatastrophen sind nur zwei Stichworte, die direkt mit der Erderwärmung zusammenhängen – und schwere finanzielle wie gesellschaftliche Folgen haben. Eigentlich müsste sich jede grosse Partei mit dem Phänomen und griffigen Lösungen auseinandersetzen. Bei manchen dauert es offenbar einfach etwas länger.

Dass die FDP vor einschneidenden Massnahmen wie einer Lenkungsabgabe auf Benzin und Diesel nicht zurückschreckt, ist für die Erreichung der ehrgeizigen Ziele zwingend. Denn mit halbbatzigen Massnahmen ändert sich das Verhalten des Einzelnen nicht. Wer für Mobilität mehr bezahlen muss, geht sparsamer damit um. Möglicherweise müssen einzelne Massnahmen sozial abgefedert werden. Die Treibstoffabgabe mag teuer sein. Doch ist sie nichts im Vergleich zu den Kosten, die wir mit einem wirksamen Umweltschutz einsparen werden.

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