Digitale Zeiten

Elektronische Identitätskarte: Falsche Skepsis beim Datenschutz

Für jeden Online-Dienst muss man sich aufs Neue registrieren und ein Passwort setzen. Wie mühsam!

Für jeden Online-Dienst muss man sich aufs Neue registrieren und ein Passwort setzen. Wie mühsam!

Kaum etwas nervt so sehr wie Passwörter. Für jeden Online-Dienst muss man sich aufs Neue registrieren und ein Passwort setzen. Am besten ein langes mit Zahlen und Sonderzeichen. Eines, das man längst vergessen hat, wenn mans wieder braucht. Wie mühsam!

Viel einfacher wäre es, wenn man immer dasselbe Login nutzen könnte, um seine Identität nachzuweisen: Egal, ob man in einem Online-Shop einkauft, Bankzahlungen erledigt oder einen Betreibungsauszug bestellt. Genau das will die sogenannte elektronische Identitätskarte (E-ID).

So gut diese Idee, für die sich das Parlament diese Woche ausgesprochen hat, auch klingt, ihre Umsetzung wird alles andere als einfach werden. Warum sollte ein grosses Online-Unternehmen wie beispielsweise Amazon eine E-ID aus der Schweiz akzeptieren? Auch wenn das Netz eigentlich keine Landesgrenzen kennt, wird sich die E-ID wohl lediglich für Schweizer Unternehmen und Dienste nutzen lassen. Immerhin, könnte man pragmatisch sagen.

Doch vielleicht wird in absehbarer Zeit nicht einmal das der Fall sein. Denn gegen die E-ID wollen Kritiker aus Datenschutzbedenken das Referendum ergreifen. Sie stören sich daran, dass der Staat mit Unternehmen wie der Swisscom oder der Post zusammenarbeitet. Gemäss einer Umfrage ist diese Ansicht weitverbreitet: 87 Prozent wünschen sich, dass allein der Staat für die Ausstellung der E-ID zuständig ist.

Es kündigt sich eine lange Verzögerung an. Bis Nutzer sich mit der E-ID ausweisen können, müssen sie noch zig neue Passwörter generieren. Oder sie nutzen für den Login-Prozess einfach ihr Google-Konto, ihre Facebook ID oder (bald) ihre Apple ID. Vermehrt bieten Online-Dienste diese bequeme Möglichkeit zur Identifikation an. Jede Wette, dass auch Nutzer mitmachen, welche zu den 87 Prozent gehören, die sich an einer privaten Schweizer E-ID stören!

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