Spitalfusion BS/BL

Eine verpasste Chance

Unter anderem Grund für das Nein zur Spitalfusion: das umstrittene Bruderholz-Spital.

Unter anderem Grund für das Nein zur Spitalfusion: das umstrittene Bruderholz-Spital.

Die beiden Basel dürfen ihre Spitäler nicht fusionieren: Das Mammutprojekt hätte wegweisend sein können, scheitert aber an der Urne.

Endlich tun Politiker etwas Vernünftiges gegen die steigenden Gesundheitskosten. Nur will das offenbar die Bevölkerung nicht. Die Basler haben die Fusion zwischen Universitätsspital Basel (USB) und Kantonsspital Baselland (KSBL) mit fast 56 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Da hilft auch das Ja der Baselbieter nichts.

Die Fusion ist gescheitert, beide Kantone stehen vor einem Scherbenhaufen. Für das USB wird es schwierig, in der Spitzenmedizin Schritt zu halten: Die Patienten fehlen. Das bedeutet, für schwierige Operationen erreicht das USB die Fallzahlen nicht. Im Baselbiet können die drei Standorte des Kantonsspitals schon heute nicht mehr rentabel betrieben werden. Eine neue Ausrichtung lässt sich nicht vermeiden.

Der Entscheid ist anachronistisch, denn mit der Einführung von Mindestfall- zahlen für komplizierte Operationen werden sich medizinische Leistungen auf einzelne Häuser konzentrieren. Spitäler müssen sich sowieso von ihrem Dasein als Gemischtwarenladen verabschieden.

Der Entscheid ist zudem bedauerlich, weil erstmals überhaupt zwei Kantone über die eigene Grenze hinaus eine gesundheitspolitische Vision entwickelt haben. In der kleinräumigen Schweiz müsste das die Zukunft sein. Schliesslich ist der Entscheid auch unverständlich. Die Basler zahlen schweizweit die höchsten Prämien. Im Schnitt sind es 482 Franken pro Monat. Das Nein ist für alle Gesundheitsreformen ein schlechtes Omen: Wenn nicht einmal das wachsende Loch im Portemonnaie ein Argument für eine vernünftigere Spitalpolitik ist, was dann?

anna.wanner@chmedia.ch

Autor

Anna Wanner

Anna Wanner

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