Bundesrats-Kommunikation

Einblick in die Messie-Wohnung

Bundespräsident Schneider-Ammann über Lachen – und amüsiert die ganze Schweiz.

Bundespräsident Schneider-Ammann über Lachen – und amüsiert die ganze Schweiz.

Die Fernseh-Ansprache von Johann Schneider-Ammann zeigt: Die bundesrätliche Kommunikationspolitik weist gravierende Mängel auf. Das ist kein Weltuntergang - aber fahrlässig.

Das ist eben das Schweizer Miliz-System, könnte man sagen. Da ist eben noch nicht alles glattgebürstet. Da kann der amtierende Bundespräsident auch mal eine Rede halten, ohne dass da nochmals eine Heerschar von Kommunikations-Experten drüber schaut. Ist doch schön, ist unsere Schweiz noch so unkompliziert, könnte man sagen.

Oder aber man sieht das Video-Gate Schneider-Ammanns als das, was es ist: ein Einblick in ein nicht funktionierendes System. Als ob sich kurz die Türe in eine Messie-Wohnung geöffnet hätte.

Unfreiwillig offenbarten der Bundespräsident und sein Apparat, dass die internen Kommunikationskontrollen entweder nicht existieren oder nicht funktionieren und darüber hinaus kein Verständnis für die Mechanismen der modernen Kommunikationsmitteln existieren.

Denn natürlich ist eine Rede zum Tag der Kranken für den Bundespräsidenten politisch nicht von allzu grosser Bedeutung. Doch in Zeiten von Youtube, Facebook und Twitter lauern auch in vermeintlich unwichtigen Ereignissen politische Gefahren.

Deshalb dürfte es nicht möglich sein, dass der Bundespräsident zur besten Sendezeit eine Rede hält und niemand schaut sie sich vorgängig an.

Nein, die Welt geht nicht unter, nur weil die Welt mal wieder Munition für das Stereotyp des humorlosen Schweizers erhalten hat. Aber falls die Welt mal wirklich untergehen sollte, dann wünscht man dem Bundespräsidenten andere Kommunikations-Experten.

benno.tuchschmid@azmedien.ch

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