Gleichstellung

Ein Schlag ins Gesicht jeder Frau

Anna Wanner
Frauen protestieren in Zürich gegen die anhaltende Lohndiskriminierung. (Bild von 2016)

Frauen protestieren in Zürich gegen die anhaltende Lohndiskriminierung. (Bild von 2016)

Seit 1981 steht die Gleichstellung in der Verfassung. Und seit da warten die Frauen auf ein Ende der Diskriminierung in der Arbeitswelt. Das heutige Nein des Ständerats ist eine weitere empfindliche Niederlage. Der Kommentar.

Jeder, der ein Argument gegen die Lohngleichheit sucht, findet eins. Der bürokratische Aufwand sei zu gross; die Ungleichheit bestehe weniger bei Frauen als bei Müttern oder die neuen Regeln seien eine Alibiübung, die zu nichts führten. Mit Verlaub: Das sind alles keine stichhaltigen Argumente, warum den Frauen nicht endlich gleicher Lohn für gleiche Arbeit ausbezahlt werden soll.

Es handelt sich bei der Gesetzesrevision nicht um einen Gefälligkeitsdienst an den Frauen, sondern um einen Verfassungsauftrag. Bei der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative scheute das Parlament keinen bürokratischen Aufwand, um der Verfassung gerecht zu werden. Bei den Frauen sollen die Unternehmen aber nicht einen einzigen Tag aufwenden können, um die Löhne der Mitarbeiter zu kontrollieren? Das ist ein einziger Hohn.

Wie ideologisch verbissen die Debatte ist, zeigt das neueste Argument der Gegner: Das Gesetz führe zu nichts. Abgesehen davon, dass sie die Regeln selbst verwässert haben, stimmt das schlicht nicht. Zwar müssten nach Wunsch der Kommission nur noch 0,85 Prozent der Unternehmen eine Lohnanalyse durchführen. Profitieren könnten davon aber über 2 Millionen Arbeitnehmer (45 Prozent). Und die Erfahrung zeigt: Unternehmen, welche Lohnanalysen durchführten, haben in 50 Prozent der Fälle Ungleichheiten entdeckt und daraufhin die Löhne der Frauen erhöht.

Da der unerklärbare Lohnunterschied nicht über freiwillige Massnahmen aus der Welt zu schaffen ist, muss das Parlament das Gesetz ändern. Alles andere wäre ein Schlag ins Gesicht jeder erwerbstätigen Frau.

anna.wanner@azmedien.ch

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Anna Wanner

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