Kolumne

Dirty Januar

Gülsha mag "Dirty Dancing" nicht.

Gülsha mag "Dirty Dancing" nicht.

Gülsha Adilji ist Social-Media-Star, Moderatorin und D-Promi. Aufgewachsen ist sie in Uzwil SG. Ihre neuste Kolumne dreht sich um Filme, Bücher und Serien, mit denen Sie im neuen Jahr dabei sind.

Das Jahr ist noch ganz klebrig und schrumpelig am Hinterkopf und in der Nackenfalte und bringt seine Augen kaum auf. Es ist ganz frisch geschlüpft und weist uns allen erneut den Weg in den Lichtkegel einer leeren Bühne, auf der wir uns ganz neu erfinden dürfen. Ob wir neuerdings keine Social-Media-App mehr bedienen möchten oder eine belesene Person spielen, die nur Dokus schaut auf Netflix – alle Charaktereigenschaften und Vorlieben bzw. Mankos können im Januar ausgetauscht und abgelegt werden. Fast wie bei «Bandersnatch» – try again!

Ich möchte aber mit Ihnen gar keinen Spaziergang durch den verwelkenden Garten der Vorsätze machen, sondern in dem doch noch sehr jungen Jahr ein Bouquet zusammenstellen mit persönlichen Ereignissen und Dingen, die mich erfreut oder erzürnt haben. Zum Beispiel das Wort «erzürnt»: Es ist ein hübsches Wort und ich finde, wir sollten es alle viel häufiger benutzen. Ich will neben meinen High- und Lowlights auch noch ein paar Film-, Serien- und Buchempfehlungen feinsäuberlich verpackt verschenken, damit Sie diese z.B am Januar-Weihnachtsfest in einen Smalltalk einfliessen lassen können. Einfach, damit Sie schlau und up to date wirken, auch im frischen Jahr.

Hier also ein Januar-Listical:

  • Regen Sie sich über «Dirty Dancing» auf, es lief kürzlich am TV: Ich habe nie verstanden, wie man diesen Film gut finden kann. Weder als Kind noch jetzt. Er ist viel zu lang, schlecht gespielt und so schlecht synchronisiert, dass man ständig irgendwas in Richtung Fernsehbildschirm werfen möchte. Wenn antifeministische Filme eine Sportart wären, hätte diese Aneinanderreihung an klischierten Rollenbildern die Goldmedaille auf sicher. Wieso wird das immer und immer wiederholt und wieso gibt es neben einer Fortsetzung sogar noch ein Musical? Just Stawph.
  • Schätzen Sie Ihre Zimmerpflanzen, ich empfinde nur Stolz für meine: Meine Aloe-Vera- Pflanze wächst und gedeiht und verleiht dem müden Ikea-Regal in meinem Wohnzimmer einen eleganten Touch und lässt den nach Farben sortierten und daneben aufdrapierten «REPORTAGEN»-Magazinen genügend Raum, damit sie allen Besucher*innen auffallen. (Ich habe noch absolut nie eines gelesen und anhand des falzfreien Einbandes glaube ich auch nicht, dass jemand aus meiner WG jemals in einem geblättert hat.)
  • Schauen Sie nicht «Birdbox» auf Netflix, oder schauen Sie es und regen Sie sich dann ausschweifend darüber auf: Neben «Bandersnatch» empfahl mir mein bester Freund Netflix auch diesen Sandra-Bullock-Film «Birdbox». Ich liebe Bullock, aber dieser Film ist vollgesogen mit Bildern, die mich im Traum verfolgen. Ich alpträumte die Fortsetzung, es wurde noch schlimmer. Und er hat so viele klaffende Logiklöcher, dass ich meine veganen Chicken Wings in den Laptop werfen wollte, was aber keinen Unterschied gemacht hätte, weil diese sofort von der fehlenden Kohärenz gefressen worden wären. Ganz gegenteilige Gefühle verspürte ich beim Black-Mirror-Film «Bandersnatch», welcher die Zuschauer*innen zu einem Teil der Geschichte werden lässt. Auch dieser Film ist wirr und irr, aber viel zu toll, um nicht alle Möglichkeiten durchzuspielen. Try again.
  • Lesen Sie «Leinsee» von Anne Reinecke: Man muss ehrlich fast kotzen, weil man so neidisch auf diese wundervollen Umschreibungen wird. Das geht zumindest mir so und ich versuche mir ganz viele ihrer Wortschöpfungen zu merken, damit ich sie für meine eigenen Texte benutzen kann. Gelingt mir in dieser Kolumne so mittel to the drittel.
  • Treiben Sie Sport, am besten eine absurde Sportart wie z.B SparkCycle: Ein Raum, 40 Spinning-Fahrräder, genauso viele übermotivierte Bankangestellte und persönliche Assistentinnen von Werbeagentur-Chefs und ich. Der «Room», das stand auf der Türe, war lediglich von einer Kerze beleuchtet und ich konnte es kaum fassen, weil ich soeben in einer real-life «Unbreakable Kimmy Schmidt»-Folge gelandet war. 90 Sekunden und einen Schweissausbruch später schaffte auch ich es, meine Fahrradschuhe einzurasten. Danach hiess es 45 Minuten lang uchoge schnell strampeln und dabei nicht kollabieren. Ab und zu wurde gar das Kerzenlicht ausgehaucht und es war komplett dunkel im «Room». Meine Lieblingsmomente, weil ich mich da auf den ungemütlichen Sitz zurückfallen liess und gemütlich in mich hineinlachte ob uns Menschen und all der Dinge, die wir so machen.

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