Bitcoin

Die Technologie hat Zukunft

Es gibt nicht nur Bitcoin, sondern auch viele andere Internet-Währungen.

Es gibt nicht nur Bitcoin, sondern auch viele andere Internet-Währungen.

In seiner Analyse zum Bitcoin-Hype und zur Frage nach den Systemrisiken schreibt Wirtschafts-Redaktor Andreas Schaffner: «Jeder muss selber entscheiden, wie stark er sein Geld aufs Spiel setzen will.»

Diese Woche wurde wieder ein neuer Rekordwert geknackt. Die Internet-Währung Bitcoin stieg auf über 15 000 Dollar. Und es scheint, dass es kein Halten mehr gibt. Geschichten über Milliardengewinne machen die Runde, wie etwa die der beiden Winklevoss-Zwillinge Cameron und Tyler, die einst mit Mark Zuckerberg Facebook gegründet haben sollen und am Ende in einem hässlichen Rechtsstreit 20 Millionen Dollar erstritten haben. Sie investierten 2013 schliesslich 11 Millionen in Bitcoins und konnten seither zusehen, wie ihr virtuelles Buchgeld um über 14 000 Prozent an Wert zugelegt hat. Schlagzeilen machte auch die isländische Sängerin Björk, die Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptiert für ihr neustes Album.

Eine Zockerbude für Spekulanten lockt Trittbrett und Ganoven an

Willkommen in der Welt der neuen Milliardäre. Denn es gibt nicht nur Bitcoin, sondern auch viele andere Internet-Währungen. Und praktisch alle haben in den letzten Monaten massiv an Wert zugelegt. Sogenannte Initial Coin Offerings – also Neuauflagen von digitalen Währungen – werden auch hierzulande vorbereitet. Der Kanton Zug gilt dabei weltweit als eines der Mekkas dieser digitalen Kryptowährungen. Keine Woche vergeht, ohne dass eine internationale Postille die Zentralschweiz als neues Crypto Valley porträtiert. Die Stadt Zug nimmt inzwischen sogar Bitcoins als Zahlungsmittel an.

Doch wo viel Geld gewonnen werden kann, sind auch die Gauner und Ganoven nicht weit. Das ist bei Bitcoin nicht anders. Erst diesen September zog die Finanzmarktaufsicht Finma entsprechende Trittbrettfahrer aus dem Verkehr, die den Anschein erweckten, dass sie Kryptowährungen auflegten, dabei aber üble Abzockerei betrieben. Ausserdem setzte sie drei weitere Firmen auf die Watchlist und führt elf weitere Abklärungen wegen «anderer» vermutlich unerlaubt betriebener Geschäftsmodelle durch.

Aber wie steht es eigentlich wirklich um die digitalen Währungen: Wie systemgefährdend können sie werden? Sicher ist: Das System selber funktioniert im Fall von Bitcoin dezentral. Es ist eigentlich nichts anderes als eine hochverschlüsselte Datenbank, in der alle Transaktionen verzeichnet werden. Diese Datenbank wird mittels einer Software bedient. Millionen von Computern auf der Welt tragen die Datenbank nach, wenn sich etwas verändert. Weil das Ganze ohne zentrale oder staatliche Kontrolle funktioniert, eignete es sich in einem ersten Zeitpunkt auch für Geschäfte, die jenseits der Legalität waren. Übermittelt wird kein Geld, sondern nur ein Zugriffscode. Heute werden Kryptogelder stark von Spekulanten dominiert, die darauf wetten, dass der Wert gegenüber dem «normalen» Geld zunimmt und sie dann Kasse machen können. Muss nun von dieser Spekulation gewarnt werden? Ja, wobei jeder selber entscheiden muss, wie stark er sein Geld aufs Spiel setzen will. Dass sosviel «Spielgeld» auf dem Markt ist, wird als Folge der Tiefzins-Politik der Nationalbanken gesehen, die als Folge der Finanzkrise eingeschlagen wurde.

Gefährlich wird es nur, wenn das Bankensystem infiziert werden soll

Spannend ist, dass hier eine technologische Revolution stattfindet, die vergleichbar ist mit derjenigen Anfang der Neunzigerjahre, als das Internet mit dem am Cern in Genf entwickelten HTML-Programmiercode den Siegeszug angetreten hat. Mit der Technologie hinter den neuartigen Währungen, der Blockchain-Technologie, sind ganz andere Anwendungen als «nur» eine künstliche Währung möglich. So haben kürzlich die grossen US-Banken Goldman Sachs Group und JPMorgan Chase einen sechsmonatigen Test abgeschlossen, bei dem sie bestimmte Wertpapiere mittels dieser Datenbank-Technologie gehandelt haben. Andere Bereiche, etwa in der Wissenschaft oder im Versicherungsbereich, sind auch denkbar.

Gefährlich wird die Situation nur, wenn – wie im Fall der letzten Finanzkrise – das Bankensystem «infiziert» werden sollte. Wenn Spekulanten zu einfach zu Krediten gelangen würden oder wenn die Banken selber Produkte entwickeln, die ihre Bilanz gefährden könnten. Hierfür gibt es derzeit keine Anzeichen, wie kürzlich der Chef der Englischen Notenbank und zuvor auch der weltgrösste Fondsinvestor Blackrock beteuerte. Gewisse Notenbanken überlegen sich gar, eine Art digitale Währung zu kreieren.

Autor

Andreas Schaffner

Andreas Schaffner

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