Kommentar

Die Saat der Salafisten

Die 85-jährige Mireille Knoll wurde in ihrer eigenen Wohnung erstochen.

Die 85-jährige Mireille Knoll wurde in ihrer eigenen Wohnung erstochen.

«Die islamistische Ideologie wirkt in Frankreich offenbar so stark, dass sie sich langsam verselbstständigt», sagt Stefan Brändle in seinem Kommentar.

Unvorstellbar ist nicht unmöglich. Vor einem Jahr ermordete wohl ein Westafrikaner die jüdische Rentnerin Sarah Halimi in Paris, nachdem er sie als «Sheitan» (Teufel) geschmäht hatte. Am vergangenen Freitag brachte ein ebenfalls noch nicht 30-jähriger Maghrebiner vermutlich die Holocaust-Überlebende Mireille Knoll mit Messerstichen um, wobei er «Allahu Akbar» gerufen haben soll.

Die jüdische Gemeinschaft ist verängstigt und aufgebracht, und in den sozialen und anderen Medien wird debattiert: Waren da muslimische Antisemiten am Werk? Brutale Gewalttäter? Psychisch gestörte Delinquenten? Möglicherweise alles zusammen.

Die zwei Mordtaten erscheinen wie das Konzentrat einer Ideologie, die nicht nur in Afghanistan oder Syrien wütet oder nur Terrorakte wie am letzten Freitag in Carcassonne auslöst: Sie nistet sich auch zunehmend in den französischen Banlieue-Vierteln ein. Ob man will oder nicht, diese Ideologie ist brutal, antisemitisch, pathologisch und kriminell – genau wie die Morde an zwei Juden, die die Verfolgung durch die Nazis überlebt haben.

Die islamistische Ideologie wirkt in Frankreich offenbar so stark, dass sie sich langsam verselbstständigt: Sie findet labile und randständige Helfershelfer, die von sich aus zur Tat schreiten. In der Pariser S-Kartei für Gefährder finden sich über 10'000 Namen. Das ist nicht nur für die Juden Frankreichs ungemütlich.

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