Wissen Sie, wer Isabelle Moret ist? Die Waadtländer FDP-Nationalrätin kandidierte im Sommer für den freigewordenen Sitz im Bundesrat. Sie unterlag deutlich, der Tessiner Ignazio Cassis wurde der Frau vorgezogen. Die Wahl warf Wellen. Denn nach dem Abgang von Eveline Widmer-Schlumpf und dem anstehenden Rücktritt von Doris Leuthard sind Männer in der Regierung wieder deutlich übervertreten. Das muss nicht sein. Zumal bei der Wahl in den Bundesrat die Qualifikation selten an erster Stelle steht: Guy Parmelin und Ignazio Cassis konnten mit ihrer Herkunft punkten. Sie konnten aber auch auf ein besseres Netzwerk in Bern zurückgreifen. Die beiden Herausforderer, die Regierungsräte Norman Gobbi (TI) und Pierre Maudet (GE), hatten einen schweren Stand.

Die Frauen haben ihre Lehren daraus gezogen und holen nun auf. Kathrin Bertschy (GLP/BE) und Maya Graf (Grüne/BL) suchten als Co-Präsidentinnen des Frauendachverbands «Alliance F» beispielsweise den Kontakt zu Journalistinnen. Jetzt strecken auch andere Vereinigungen ihre Fühler aus. Die parlamentarische Frauengruppe lädt zu einem ungezwungenen Austausch. Und die Eidgenössische Kommission für Frauenfragen (EKF) lanciert einen Spot unter dem Titel «halbe-halbe – Mehr Frauen in die Politik». Dafür setzte sich Kathrin Bertschy bereits bei den Wahlen 2015 ein. Sie berechnete, wen man wählen muss, um mehr Frauen im Parlament zu haben.

Das Vertrauen, dass durch ein besseres Netzwerk automatisch auch mehr Frauen in der Regierung Einsitz nehmen, besteht deswegen nicht. Dafür soll die Verfassung geändert werden: Analog zu den Sprach-regionen sollen auch die Geschlechter im Bundesrat angemessen vertreten sein.

anna.wanner@azmedien.ch