Germangwings-Drama
Zweite Blackbox zeigt: Co-Pilot beschleunigte Flugzeug kurz vor Absturz

Die Auswertung der zweiten Blackbox hat die Absturz-Absichten des Co-Piloten Andreas Lubitz bestätigt. Während des Sinkflugs beschleunigte er sogar die Airbus-Maschine noch mehrfach.

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Die Suche nach dem Flugdatenschreiber nahm rund zehn Tage in Anspruch. Der Stimmenrekorder wurde schon kurz nach dem Absturz geborgen.
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72 Deutsche waren an Bord der Maschine.
Aufgrund der hohen Geschwindigkeit beim Aufprall wurde das Flugzeug in unzählige kleine Teile zerrissen.
Die Absturzstelle liegt auf ungefähr 1600 Metern über dem Meer und ist nur zu Fuss zu erreichen.
Germanwings-Maschine in Frankreich abgestürzt
Die Identifikation der Leichen per DNA-Analyse ist äusserst aufwendig.
Ermittler untersuchen Trümmerteile.
Das Trümmerfeld zeugt von der Wucht des Aufpralls.
Die Maschine wurde in unzählige Stücke zerfetzt.
Der 24. März wird als schwarzer Tag in die Geschichte der Region eingehen.
Die Rettungskräfte konnten die Unglücksstelle nur mit Helikoptern erreichen.
Vor dem Gymnasium der Schulklasse, welche an Bord der Unglücksmaschine ist, werden Kerzen angezündet.
Vor dem Gymnasium der Schulklasse, welche an Bord der Unglücksmaschine ist, werden Kerzen angezündet.
Trümmerteile liegen in der Berglandschaft
Trümmerteile am Absturzort
Trümmerteile am Absturzort
Ein Hubschrauber über der Absturzstelle
Rettungskräfte in der Nähe der Absturzstelle
Rettungskräfte in der Nähe der Absturzstelle
Ein Hubschrauber sucht das Gelände ab.
Die Rettungshelikopter stehen im Tal bereit
Blick aus dem Helikopter auf dem Weg zur Unglücksstelle
Frankreichs Staatspräsident François Hollande nimmt Stellung zum Flugzeugabsturz.
«Ein Schock»: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich.
Germanwings-Manager Oliver Wagner vor dre Pressekonferenz in Köln
Der französiche Premierminister Manuel Valls bespricht sich mit dem spanischen Königspaar
Die Flugkurve auf Flightradar24 der abgestürzten Germanwings-Maschine.
Angehörige treffen am Flughafen Düsseldorf ein
Polizisten vor dem Germanwings-Schalter am Flughafen Düsseldorf
Betroffenheit am Swissport-Schalter in Barcelona
Angehörige des Careteams am Flughafen Düsseldorf
Flughafen-Personal in Düsseldorf.
Die Anzeigetafel am Flughafen Düsseldorf.
Violeta Bulc, die europäische Transportzuständige.
Der Airbus A320 der Germanwings, der abgestürzt sein soll.

Die Suche nach dem Flugdatenschreiber nahm rund zehn Tage in Anspruch. Der Stimmenrekorder wurde schon kurz nach dem Absturz geborgen.

Keystone

Nach der Germanwings-Katastrophe gibt es kaum noch Zweifel, dass der Copilot das Flugzeug absichtlich zum Absturz brachte. Eine Auswertung der zweiten Blackbox ergab laut der französischen Luftfahrtermittlungsbehörde BEA, dass der 27-Jährige im Autopiloten einen Sinkflug auf eine Höhe von rund 30 Meter einstellte und die sinkende Maschine mehrfach beschleunigte.

Die zweite Blackbox - der Flugdatenschreiber - war am Donnerstag nach zehntägiger fieberhafte Suche am Absturzort am Hang in den französischen Alpen gefunden worden, an dem die Maschine zerschellt war.

"Ein erstes Auslesen ergibt, dass der im Cockpit anwesende Pilot den Autopiloten benutzt hat, um einen Sinkflug des Flugzeugs auf eine Höhe von 100 Fuss (rund 30 Meter) einzuleiten", erklärte die BEA am Freitag. "Dann hat der Pilot während des Sinkflugs wiederholt die Einstellung des Autopiloten verändert, um die Geschwindigkeit des sinkenden Flugzeugs zu beschleunigen."

Bereits am Donnerstag hatte der ermittelnde Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin, gesagt, der 27-Jährige habe in den letzten Minuten des Flugs "mehrfach" verhindert, dass ein Alarm ausgelöst werde, der eine zu hohe Geschwindigkeit des Flugzeugs anzeigt.

Der Airbus A320 der Lufthansa-Tochter Germanwings war am 24. März auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen abgestürzt. Alle 150 Menschen an Bord kamen ums Leben.

Hinweise durch Handy-Videos?

Staatsanwalt Robin kam bereits zwei Tage nach dem Unglück zu dem Schluss, dass der Copilot die Maschine vermutlich absichtlich abstürzen liess. Er stützte sich dabei auf die Auswertung des am Tag der Katastrophe geborgenen Stimmenrekorders der Maschine. Zu hören ist demnach unter anderem, dass der Copilot den Flugkapitän in den Minuten vor dem Absturz aus dem Cockpit ausgesperrt hatte.

Am Unglücksort wurden zudem 42 "sehr beschädigte" Handys gefunden, sagte Robin. Die Möglichkeit einer Auswertung bewertete der Staatsanwalt "skeptisch". Mehrere Medien hatten über ein Handy-Video mit den letzten Augenblicken an Bord der Maschine berichtet.

Über Selbsttötung informiert

Schnell wurde auch bekannt, dass der Copilot bereits wegen schwerer psychischer Probleme mit Suizidgefahr behandelt worden war. Am Donnerstag dann erklärte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf, dass der Mann sich in den Tagen vor dem Absturz im Internet über Möglichkeiten informiert habe, sich das Leben zu nehmen.

Die deutschen Ermittler konnten auf dem Tablet-Computer des Copiloten den Browserverlauf für die Woche vor dem Absturz auswerten. Der 27-jährige Deutsche recherchierte demnach zum einen nach medizinischen Behandlungsmöglichkeiten.

Zum anderen informierte er sich über Arten des Suizids und Umsetzungsmöglichkeiten. An "mindestens einem Tag" habe er sich auch über mehrere Minuten mit Cockpit-Türen und deren Sicherheitsvorkehrungen beschäftigt.

Bei der Identifizierung der Opfer gab es unterdessen Fortschritte. Laut Staatsanwalt Robin konnten inzwischen 150 verschiedene DNA-Profile aus den 2285 DNA-Proben von der Absturzstelle isoliert werden. Die DNA-Profile müssten nun noch mit Proben abgeglichen werden, die die Familien übergeben hätten.

Lehren aus Absturz ziehen

In Deutschland wollen Politik und Luftfahrtbranche nun über Lehren aus dem Absturz beraten. Eine entsprechende Arbeitsgruppe soll nach Ostern starten. Die Experten sollen unter anderem über mögliche Veränderungen der Regeln zur festen Verriegelung der Cockpittüren beraten.

Innenminister Thomas de Maizière schlug zudem die Einführung einer Ausweispflicht an Flughäfen vor. Die Airlines sollten auch bei Flügen im Schengen-Raum die Identität ihrer Passagiere überprüfen, sagte er. Sonst bleibe unter Umständen unklar, wer tatsächlich im Flugzeug sitze.