Verschwörungstheoretiker
Schwerreiche Zielscheibe: Warum Bill Gates trotz Milliarden-Spenden von Millionen gehasst wird

Seine angebliche Verwicklung in die Coronapandemie ist nicht der einzige Grund, warum der 65-Jährige vielen als Bösewicht gilt.

Samuel Schumacher
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Schwerreich und unbeliebt: Microsoft-Gründer Bill Gates.

Schwerreich und unbeliebt: Microsoft-Gründer Bill Gates.

AP

Wenn irgendjemand noch einen Beweis benötigt hat, dass man sich Liebe mit keinem Geld der Welt kaufen kann, dann hat ihn Bill Gates endgültig erbracht. Der Microsoft-Gründer hat fast 40 Milliarden Dollar für wohltätige Zwecke gespendet und 2010 den «Giving Pledge» lanciert: Gates und ein paar andere schwerreiche Unternehmer haben darin festgehalten, dass sie bis zu ihrem Tod 95 Prozent ihres gigantischen Vermögens spenden wollen.

Doch trotz dieser grosszügigen Gesten schlägt dem 65-Jährigen viel Argwohn und Hass entgegen. Weltweit gehen Menschen mit «Kill Bill»- oder «Gates to Hell»-Transparenten auf die Strasse. Auf den ersten Blick überrascht das. Der Multimilliardär – er belegt mit seinem 130-Milliarden-Dollar-Vermögen Rang vier der globalen Reichsten-Liste von «Forbes» – war 2005 in den Augen des «Times»-Magazins noch die «Person des Jahres» und wurde im selben Jahr von Königin Elisabeth II zum Ritter geschlagen. Auf Youtube kursieren Videos, wie er sich ganz selbstverständlich vor einer Burger-Bude in die Warteschlange einreiht oder wie er sich aufrichtig über die Begegnung mit Schach-Weltmeister Magnus Carlsen freut, der ihn in einer Partie 2014 nach gerade mal acht Zügen matt gesetzt hat.

Doch Bill Gates ist nicht nur ein grosszügiger Spender, bescheidener Burger-Fan und guter Verlierer, sondern in den Augen von Millionen Erdenbürgern eben auch ein gieriger Grosskapitalist, der vor nichts zurückschreckt, um sein Vermögen zu vermehren. Kurz nach dem Ausbruch der Pandemie tauchten Verschwörungstheorien auf, die Gates beschuldigten, das Coronavirus absichtlich in die Welt gesetzt zu haben, um mit dem Absatz von Medikamenten viel Geld zu verdienen. Die Kolporteure verwiesen auf eine Rede von Gates, in der er 2015 vor den Gefahren einer Pandemie warnte und der Welt vorhielt, dass sie sich nicht genügend auf die Virengefahr vorbereite.

Bitcoin-Kritiker und Klimasünder

Gates selbst hatte mit seiner Stiftung seit 2010 mehrere Milliarden in die Impfforschung investiert. Dieses finanzielle Engagement und seine Kritik an der mangelhaften Pandemieprävention der Trump-Regierung machten ihn zur Zielscheibe der Verschwörungstheoretiker. Laut einer Umfrage des Forschungsinstituts YouGov glauben 40 Prozent der Republikaner und 19 Prozent der Demokraten in den USA, dass Gates hinter der Pandemie stecke und möglicherweise gar Mikro-Chips in den Impfstoff einbaue, um die Menschheit komplett überwachen zu können.

Auch in Europa hat Gates seit dem Ausbruch der Pandemie viele Kritiker.

Auch in Europa hat Gates seit dem Ausbruch der Pandemie viele Kritiker.

Wikipedia

Gates selber hat diese Mär in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters als «böse» abgetan.

«Ich bin überrascht von diesen wahnsinnigen Verschwörungstheorien. Glauben die Menschen dieses Zeugs denn tatsächlich?»

Das fragte er mit dem gewohnt schrägen Blick in die Kamera.

Für den Hass, der Gates entgegenschlägt, mag es auch andere Gründe geben. So hat er mit seinem Buch «Wie wir die Klimakatastrophe verhindern» vergeblich versucht, seinen schlechten Ruf in Klimakreisen aufzupolieren. Die Uni Lund hat ihm vorgerechnet, dass er mit seinem Flugverhalten (59 Privatjet-Trips im Jahr 2017) etwa 10'000 Mal mehr Treibhausgase in die Atmosphäre puste, als ein durchschnittlicher Erdenbürger. Bei vielen Vertretern der jüngeren Generationen hat sich Gates zudem mit seiner Kritik an Kryptowährungen und seinen scharfen Kommentaren zum Whistleblower Edward Snowden in die Nesseln gesetzt.

Dass seine Ehefrau Melinda jetzt die Scheidung eingereicht hat, dürfte dem nerdigen Grossinvestor zumindest ein bisschen Mitleid einbringen. Und wenn er sich an sein Versprechen hält, wird er in den kommenden Jahren noch weit über 100 Milliarden Dollar spenden. Vielleicht reicht das dann ja doch für ein bisschen Bewunderung.