Verspätungen
Corona-Grosskontrollen: Italien stoppt alle SBB-Eurocity an der Grenze

Wer mit dem Zug aus der Schweiz nach Italien reist, braucht viel Geduld: Die italienischen Behörden kontrollieren sämtliche Eurocity-Züge nach der Grenze. Das Corona-Regime der Italiener sorgt für grosse Verspätungen.

Adrian Müller / Watson
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Der Gotthard-Hochgeschwindigkeitszug «Giruno» der SBB am Bahnhof Wädenswil.

Der Gotthard-Hochgeschwindigkeitszug «Giruno» der SBB am Bahnhof Wädenswil.

Severin Bigler / MAN

Ab in die Sommerferien! Tausende Schweizerinnen und Schweizer strömen derzeit Tag für Tag gen Süden. Viele davon mit dem Zug. Aber Achtung: Neben der ID muss unbedingt ein Covid-Zertifikat oder ein negativer Corona-Test sowie ein ausgefülltes Einreiseformular ins Gepäck. Denn wer denkt, die italienischen Behörden setzen die Corona-Einreiseregeln in den teils vollen Zügen nicht durch, der täuscht sich.

Vergangenen Sonntag reiste watson-User Peter mit dem SBB-Eurocity von Zürich nach Mailand. Am Bahnhof Como geriet er mit hunderten anderen Reisenden in eine Corona-Grosskontrolle der italienischen Grenzbeamten. «Der Zug wurde für 30 Minuten angehalten. Jeder Passagier musste das Impf-Zertifikat oder einen negativen Test vorweisen», so der Zürcher, der via Mailand an die Côte d’Azur reiste.

«Derzeit werden die Fahrgäste aller Eurocity-Verbindungen in Italien kontrolliert.» SBB

Die Kontrollen sind kein Einzelfall, sondern haben System: «Gemäss unserem Kenntnisstand werden derzeit die Fahrgäste aller EC-Verbindungen in Italien kontrolliert», sagt SBB-Sprecher Daniele Pallecchi zu watson. Dies gilt auch für die Eurocity-Route Basel-Bern-Domodossola-Mailand.

Corona-Kontrollen führen zu grossen Verspätungen

Die ausgiebigen Kontrollen wirbeln den Fahrplan durcheinander, wie die watson-Recherchen zeigen. «Die Züge Richtung Süden treffen aktuell durch die Kontrollen der italienischen Behörden rund 15 bis 30 Minuten später in Mailand ein», so der SBB-Sprecher weiter.

Pendler im Hauptbahnhof Zürich.

Pendler im Hauptbahnhof Zürich.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Denn normalerweise dauert der Stopp in Como nur zwei Minuten statt wie jetzt 30 Minuten. Mit dementsprechend grosser Verspätung traf watson-User Peter in Mailand ein.

«Zum Glück hatte ich einen grossen Zeitpuffer eingeplant, um den nächsten Zug zu erwischen. Das dürfte aber nicht allen Passagieren so ergangen sein.»

Die SBB weisen im Onlinefahrplan die Passagiere nun explizit darauf hin, dass wegen der Einreiseregeln mit «verlängerten Reisezeiten» zu rechnen ist.

Stichproben im Regionalverkehr

Nicht betroffen sind offenbar die grenzüberschreitenden Tilo-Regionalzüge von Locarno/Lugano nach Mailand. Laut dem Dekret der italienischen Regierung seien – im Gegensatz zu Eurocity-Verbindungen – auf den S-Bahnen nur stichprobenartige Kontrollen vorgesehen.

Dies gilt auch für die Regionalzüge der BLS, die von Brig nach Domodossola verkehren. «Uns sind keine Grosskontrollen bekannt», sagt BLS-Sprecher Stefan Locher zu watson.

Ab in den Süden: Wer nach Mailand will, muss mit Kontrollen rechnen.

Ab in den Süden: Wer nach Mailand will, muss mit Kontrollen rechnen.

Hans-Martin Jermann/ Rudolf Niescher / BLZ

Übrigens: Wer gegen die italienischen Corona-Einreisevorschriften verstösst, muss laut ADAC mit einer Geldstrafe zwischen 400 und 3000 Euro rechnen. Auch die Weiterfahrt kann untersagt werden.

Zollverwaltung büsst hunderte Personen

Auf Anfrage konnten die Bundesbahnen nicht sagen, ob bereits fehlbare SBB-Passagiere aus den Eurocity-Zügen gewiesen worden sind. Eine entsprechende Anfrage bei den italienischen Behörden ist pendent.

Im Gegensatz zu den italienischen Behörden stoppt das Schweizer Grenzwachtkorps keine Eurocity-Züge, die von Italien in die Schweiz fahren. Denn Personen mit gültigen Einreisepapieren können auf diesem Weg ohne jegliche Corona-Restriktionen in die Schweiz einreisen. Ausser, sie kommen aus einem Corona-Risikogebiet.

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