Germanwings-Tragödie
Vater von Absturz-Opfern: «Ich werde die Schuldigen vor Gericht bekommen»

Klaus Radner ist der Vater von Insassen der Germanwings-Maschine, die vor zwei Jahren an den französischen Alpen zerschellten. Im «TalkTäglich» spricht er über seine Trauer und warum er nicht nur den toten Co-Piloten Andreas Lubitz, sondern auch die Behörden zur Rechenschaft ziehen will.

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Heute Freitag vor genau zwei Jahren zerschellte eine Germanwings-Maschine in französischen Alpen auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf. Wie sich zwei Tage später herausstellte, flog Co-Pilot Andreas Lubitz absichtlich in die Felswand und machte sich so für den Tod von 149 Insassen verantwortlich. Eine von ihnen war Maria Radner. Die Opernsängerin war wegen eines Auftritts nach Spanien gereist, zusammen mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn.

Für Vater Klaus Radner ist der Verlust auch zwei Jahre danach unerträglich. «Ich stehe mit dem Gedanken an die Kinder auf und gehe mit den Kindern abends ins Bett», sagt er gegenüber «TalkTäglich»-Moderator Markus Gilli. Vater Klaus Radner erzählt, wie er sich darauf gefreut hatte, seinen Enkel aufwachsen zu sehen. «Diese Perspektive ist uns geraubt worden», sagt Radner ernüchtert. Doch das schlimmste für ihn sei nicht der Verlust, wie er erklärt. Sein Blick verhärtet sich: «Wir haben das einem Menschen zu verdanken – das verstehe ich bis heute nicht: Es war ein definitiv geplanter Massenmord.»

«Ich kann es nicht nachvollziehen»

Radner beginnt auszuholen: Lubitz habe am Abend vor dem Absturz eine ärztliche Verfügung unterschrieben, wie man nach seinem Tod vorgehen solle. Zudem habe er sich über Schliesssysteme im Cockpit informiert. «Auf dem Hinflug hat er es schon probiert. Er hat die Schaltungen gelegt und auf Sinkflug eingestellt.» Doch erst auf dem Rückflug setzt Lubitz seinen Plan um – sein Motiv gibt auch zwei Jahre danach Rätsel auf.

Als die französischen Behörden nach dem Absturz bekannt gab, dass der Co-Pilot das Flugzeug absichtlich in die Felswand steuerte, sei er wie betäubt gewesen, sagt Radner heute. «Mir hat es wirklich die Füsse unter dem Boden weggezogen.»

Es habe sich angefühlt, als müsse er den Tod seiner Familie ein zweites Mal erleben. Er könne nicht abschliessen, sagt er. «Denn es ist nicht nur der Mörder schuld. Es sind Organe schuld, Arbeitgeber, Aufsichtsbehörden, die Gesetze sind schuld. Und ich werde nicht nachlassen, um die Schuldigen vor Gericht zu bekommen. Das ist meine Intention.»

Suche nach Kausalität

Als die Staatsanwaltschaft beschloss, den Fall nicht weiter verfolgen zu wollen, forderte Radner Untersuchungsberichte an, kämpfte sich durch Zehntausende von Seiten. «Ich wollte den kausalen Zusammenhang wissen.» Genau diesen habe die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft verneint – und Radner damit auch um sein Recht auf Frieden beraubt. «Die sagen: Der Mörder ist tot, wir brauchen nicht zu ermitteln. Ich sage: Es waren hier Ärzte, die wussten alle, dass er Pilot war. Da ist für mich eine Kausalität da.» Er wolle nicht nur dem Piloten die Schuld geben – obwohl Radner den Anflug von Abscheu in seinem Gesicht nicht verbergen kann –, sondern auch dem Umfeld.

Gegen die abgelehnten Strafanträge hat Radner Beschwerde eingereicht. Auch den Staatsanwalt will er verklagen, «weil von Anfang an feststand, es wird nicht ermittelt». Von den Behörden fühlt sich Radner im Stich gelassen. «Es spricht niemand mit uns. Keine Lufthansa, keine Staatsanwaltschaft, keine Flugmediziner; es wird uns nichts erklärt.»

Aus diesem Grund habe er sich auch dazu entschieden, an die Öffentlichkeit zu treten. Er fühle sich für dumm verkauft und genau darauf will er die Öffentlichkeit aufmerksam machen. «Ich möchte Fragen stellen können und darauf Antworten erhalten – und die werde ich erzwingen. Das bin ich meinen Kindern schuldig." Er könne nicht damit leben zu sagen: «Das wars.»

Den ganzen Talk sehen Sie hier: