USA
US-Amerikaner dürfen legal Online-Poker spielen

Bisher war Online-Poker in den USA illegal. Dies soll sich nun ändern: Das Justizministerium erlaubt neuerdings Online-Glücksspiele und -Wetten. Hinter diesem Schritt stehen nicht zuletzt finanzielle Überlegungen.

Renzo Ruf, Washington
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Pokerspiele sind nun nicht mehr ausschliesslich im Casino legal. Auch Online sind fortan solche Spiele erlaubt.

Pokerspiele sind nun nicht mehr ausschliesslich im Casino legal. Auch Online sind fortan solche Spiele erlaubt.

Keystone

Für allzu phlegmatische Glücksspieler sind die USA ein hartes Pflaster: Wer sich nicht an die lokale Lotto-Ausgabestelle oder ins nächste Kasino begeben will, der kann keinen schnellen Dollar machen, denn Online-Glücksspiel, bequem von zu Hause aus, ist illegal. Nun soll sich dies ändern, und zwar auf Veranlassung des Justizministeriums in Washington.

Kurz vor Weihnachten veröffentlichte das Ministerium ein 13-seitiges Thesenpapier, mit dem die Juristen grundsätzlich die Türe für Internet-Casinos öffneten. Im Gegensatz zur bisherigen Lehrmeinung, heisst es in dem Dokument, verstiessen Computer-Glücksspiele nicht gegen ein in den 1960er-Jahren verabschiedetes Bundesgesetz, das ein Verbot von nationalen Wetten auf «Sportveranstaltungen oder -wettkämpfen» festschreibt.

Die Veröffentlichung des Thesenpapiers hat zwei unmittelbare Folgen: Erstens erhalten die Regierungen der beiden Bundesstaaten New York und Illinois – beide stöhnen über leere Kassen – grünes Licht für ihre Idee, Lottoscheine über das Internet zu verkaufen. Ihrem Insistieren ist es zu verdanken, dass sich das Justizministerium überhaupt mit dem Thema beschäftigen musste. «Wir sind sehr zufrieden über die Gelegenheit, die sich uns bietet», sagte der Direktor der New Yorker Lotterie.

Grosses Kundenpotenzial

Noch mehr Freude über den Entscheid des US-Justizministeriums haben aber amerikanische Pokerspieler. Wer seinem Hobby bisher im Internet frönte und um Geld spielte, muss seit 2006 auf ausländische Seiten zurückgreifen und verstösst damit explizit gegen amerikanisches Recht. In diesem Frühjahr erst ging das US-Justizministerium mit auffälliger Aggressivität gegen (ausländische) Internet-Angebote wie «Full Tilt Poker» vor.

Nun öffnen sich der prosperierenden Branche – weltweiter Umsatz im Jahr 2010: 30 Milliarden Dollar – die Türen zu einem Markt mit einem grossen Kundenpotenzial. Mehr als zehn Millionen Online-Poker-Spieler soll es in den USA geben, behauptet die Lobbygruppe Poker Players Alliance. «Das sieht nach einem grossen, grossen Weihnachtsgeschenk des Justizministeriums für die Online-Glücksspiel-Industrie aus», kommentierte der Branchenbeobachter I. Nelson Rose, der an der Whittier Law School lehrt, auf seinem Internet-Blog.

Rechtliche Voraussetzungen fehlen

Experten verweisen darauf, dass in den meisten Bundesstaaten die rechtlichen Voraussetzungen für die Legalisierung von Online-Glücksspielen noch fehlen. Am weitesten gediehen sind die entsprechenden rechtlichen und politischen Abklärungen bisher in Nevada – dank der Metropole Las Vegas auch das «Mekka des Glücksspiels» genannt – und im Hauptstadtbezirk District of Columbia. In Washington gehen die Stadtväter von jährlichen Mehreinnahmen von mindestens 3 Millionen Dollar aus. Nun werden diese Zahlen wohl nach oben korrigiert, denn dank der neuen Auslegeordnung des Justizministeriums dürften künftig wohl auch Amerikaner mitspielen, die nicht in Washington oder Nevada wohnen.

Bereits melden sich deshalb die Kritiker des organisierten Internet-Glücksspiels zu Wort. Als eine «neue Steuer für Arme und Junge» bezeichnete der «Christian Science Monitor» den Entscheid des Justizministeriums in einem Meinungsbeitrag. Denn diese Bevölkerungskreise litten nachgewiesenermassen am stärksten unter den Folgen von Spielsucht.